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Vitalpilze & deren WirkungMykotherapie für Tiere: Coprinus comatus

Shaggymane Mushrooms (Coprinus comatus)
Pta Pta/stock.adobe.com

Mit Vitalpilzen Tiere erfolgreich therapieren. Immer mehr Studien belegen die Wirksamkeit von Pilzinhaltsstoffen. Lesen Sie im Artikel über den Coprinus comatus und dessen Wirkung.

Andere Bezeichnungen: Schopftintling, Spargelpilz, Shaggy ink cap, Mao Tou Gui San


Ökologie und Geschichte

Der Coprinus comatus wird wegen seines Geschmacks auch Spargelpilz genannt. Er gehört zur Gattung der Tintlinge, die ungefähr hundert verschiedene Arten umfasst. Der Coprinus comatus ist der bestuntersuchte Pilz unter den Tintlingen und dank seiner Herkunft und Verbreitung gut erforscht. Der Coprinus wächst in Mitteleuropa und Nordamerika in Weiden, Wiesen, am Wegrand oder auch im Wald. Die in Australien, Neuseeland und Island vorkommenden Pilze wurden wohl eingeführt. Der Spargelpilz wurde in unseren Breiten schon immer gerne verspeist. Auch Kultivierungsversuche wurde erfolgreich unternommen.
Der Handel scheiterte jedoch an der schnellen Verderblichkeit der geernteten Pilze.

Berichten zufolge jedoch wird der Coprinus comatus in China offenbar mit Erfolg angebaut und als Nahrungsmittel genutzt. Aus China stammen auch die ersten schriftlichen Hinweise auf seine Verwendung als Heilmittel. Bereits 510 n. Chr. wurde der Pilz in einer Materia Medica benannt. Der junge Fruchtkörper des Schopftintlings ist von weißer Farbe und zarter Beschaffenheit. Im Laufe der Zeit wandelt sich seine Farbe in Rosarot. Schließlich rollt sich der Hut vom Rand her auf und verfärbt sich allmählich schwarz. Diese Pilze verbreiten ihre Sporen durch einen Selbstauflösungsprozess. Sie verflüssigen sich zu einer schwarzen Substanz, welche in früherer Zeit  als Tinte benutzt wurde.
 

Inhaltsstoffe und Wirkung
 

Steckbrief Coprinus comatus

Wirkung:

  • regulierend auf den Blutzucker (Diabetes Typ 1 + 2)

  • antidiabetisch und verbessernd auf die Glukosetoleranz

  • regulierend auf die Verdauung

  • krebs- und tumorhemmend

  • antiandrogen und antiöstrogen

  • hilfreich bei Hämorrhoiden und entzündeten Analdrüsen

  • antibakteriell (Staphylokokken, E. coli)

  • antifungal (Candida albicans)

  • antioxidativ und radikalfangend

  • leberschützend

  • regulierend

Einsatzgebiete beim Tier:

  • Diabetes Typ 1 + 2 sowie Insulinresistenz (zusammen mit Maitake)

  • Verdauungsstörungen und Verstopfung

  • Bakterielle Infektionen des Magen-Darm-Traktes

  • Krebs (Mammatumore, Prostatakrebs, Sarkome, Myome, Lipome)

  • Übergewicht und Fettleibigkeit

  • Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

  • Hufrehe

  • Entzündungen und Tumore der Analbeutel und Analdrüsen

  • Hämorrhoiden

  • Antioxidativer Leberschutz

 

Inhaltsstoffe

Der Coprinus ist einer der proteinreichsten Pilze. Der Gehalt an Roheiweiß in der Trockensubstanz des Pilzes kann bis zu 38 % ausmachen. Nachgewiesen wurde darin eine Vielzahl an essentiellen und nicht-essentiellen Aminosäuren [167]. Auch eine nennenswerte Menge an GABA wurde anhand einer neuen Studie aus dem Jahr 2014 im Fruchtkörper der Pilzes gefunden [570]. Coprinus comatus enthält außerdem beachtliche Mengen der Vitamine B1, B2 und B3. Außerdem ist er einer der wenigen Pilze, die Vitamin C enthalten. Der Gehalt an Ascorbinsäure ist sogar der höchste unter den Vitalpilzen. Daneben enthält der Pilz auch geringere Mengen an Kalium, Natrium, Magnesium, Kalzium, Mangan, Kupfer und Zink sowie Phenole und Flavonoide.
 

Primäre und sekundäre Metaboliten

Neben den ernährungsphysiologisch wichtigen Inhaltsstoffen enthält Coprinus comatus auch Metaboliten wie Polysaccharide, Lektine, Ergothionein [570] sowie Nukleotide [173] und die Nukleinbasen Guanin und Adenin [167]. Die den Glycoproteinen ähnlichen Lektine sind kohlenhydratbindende Proteine, welche durch direktes Andocken an der Zelle vielfältige biochemische Reaktionen im Körper auslösen können. Anhand eines Vergleiches von 13 verschiedenen heilsamen Pilzen konnte man feststellen, dass Coprinus comatus über die höchste Lektinaktivität unter allen diesen Pilzen verfügt [168].
 

Antioxidative Effekte

Der Gehalt an Ergothionein, einer schwefelgebundenen Aminosäure mit starker antioxidativer und entzündungshemmender Wirkung, wurde 1957 durch einen deutschen Forscher nachgewiesen [166]. Wissenschaftler aus Taiwan und China stellten fest, dass auch Wirkstoffe wie Phenole, Flavonoide, Tocopherole und Polysaccharide aus Hut und Stiel des Pilzes in unterschiedlicher Weise potente antioxidative und radikalfangende Effekte ausüben [164], [172]. Diese antioxidative Wirkung des Pilzes wirkt sich gemäß Tierstudien auch schützend auf die Leber aus [169], [170].
 

Wirkung auf die Verdauung

Ursprünglich wurde der Schopftintling in der asiatischen Heilkunde zur Anregung der Verdauung und dadurch auch zur Behandlung von Hämorrhoiden verwendet. Er wirkt regulierend und bei Bedarf befeuchtend auf die Schleimhäute und kann auf diese Weise Obstipationen lösen. Die antibakteriellen Effekte des Pilzes helfen zudem verlässlich bei Infektionen des Magen-Darm-Traktes.
 

Antibakterielle und antifungale Wirkung

Auch die antimikrobiellen Eigenschaften des Pilzes wurden untersucht. Russische Wissenschaftler untersuchten im Jahr 2003 sechs Tintlingarten auf ihre Wirkung gegen Bakterien und Pilze und fanden teils potente Effekte gegen diese Erreger [176]. Später dann im Jahr 2012 bestätigten weitere Studien die antimikrobielle Wirkung von Coprinus comatus gegen Staphylococcus aureus, Escherichia coli und Candida albicans [160], [171].
Die Wirkung ging jedoch in beiden Studien nur von alkoholischen Extrakten aus, während der wässrige Extrakt des Pilzes gegen alle der getesteten Erreger wirkungslos blieb [160]. Dies lässt darauf schließen, dass zur Bekämpfung von mikrobiellen Infektionen in der Praxis die Kombination von Pulver und Extrakt verwendet werden sollte.
 

Antikanzerogene Effekte

Mögliche antikanzerogene Eigenschaften des Pilzes wurden schon sehr früh untersucht. Wirkstoffe aus dem Spargelpilz übten in Tiermodellen per Injektion eine Hemmung von 100 % auf das Wachstum von Sarcoma-Tumoren sowie von 90 % auf Ehrlich-Karzinome aus. Dies wurde bereits 1987 in der Abhandlung „Icons of Medicinal Fungi from China“ von J. Ying berichtet.
Für diese Wirkung wurde das Vorkommen von (1,3)-Beta-Glucanen im Fruchtkörper des Pilzes verantwortlich gemacht [589]. Inzwischen fand man jedoch auch weitere bioaktive Polysaccharide, wie beispielsweise ein Fucogalactan mit (1,6)-Alpha-Struktur [161]. Erst kürzlich, im Jahr 2013, wurde zudem ein weiteres Polysaccharid (CCPa-1) gefunden, welches eine antikanzerogene Wirkung gegen Sarcoma 180 sowie eine immunmodulierende Wirkung durch Erhöhung der Proliferation von spezifischen Abwehrzellen aus der Milz sowie einer vermehrten Sekretion von Zytokinen (TNF-alpha, IL-2) ausübt [163].

Amerikanische Wissenschaftler untersuchten in vitro 38 verschiedene Pilze auf ihre Wirkung bei Brustkrebszellen und fanden starke von Coprinus comatus und Enokitake ausgehende tumorhemmende sowie antiproliferative und apoptosestärkende Wirkeffekte gegen östrogenrezeptorpositive wie auch gegen östrogenrezeptornegative Brustkrebszellen. Der Heißwasserextrakt aus dem Fruchtkörper von Coprinus comatus führte dabei zu einer Hemmung der Tumorbildungsrate von 60 % [573]. Neuste wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen auch, dass der Extrakt aus Coprinus comatus eine antiandrogene Wirkung ausübt und so die Rezeptorstellen für Sexualhormone an Prostatakrebszellen blockieren kann [159].
Diese antiöstrogenen und antiandrogenen Effekte haben einen großen Einfluss auf hormonabhängige Krebsarten wie Hyperplasien der Mamma, des Gesäuges, der Prostata, der Sexualorgane oder auch von Zirkumanaldrüsen und Analbeutel [175].
 

Antidiabetische Wirkung

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet von Coprinus comatus ist die begleitende Diabetes-Therapie. Die antidiabetische und metabolische Wirkung des Pilzes wurden bereits sehr früh untersucht. In einer Tierstudie im Jahr 1984 wurde die Nahrung gesunder Ratten mit einem Drittel des Pilzpulvers angereichert. Bereits 10 Stunden nach der Verabreichung war die Glukosekonzentration im Blut markant niedriger. Nach 11 Tagen konnte eine Verbesserung der Glukosetoleranz sowie eine Verminderung der Insulinsekretion festgestellt werden [157]. Eine Studie aus dem Jahr 2006 beschreibt einen signifikant verstärkten blutzuckersenkenden Effekt des Pilzes bei hyperglykämischen Mäusen aufgrund einer synergetischen Kombination mit Vanadium [162].

Man vermutet, dass der im Spargelpilz nachgewiesene Stoff „Comatin“ einen großen Einfluss auf den antidiabetischen Effekt des Pilzes hat. Im Jahr 2010 konnte man in China den potenten Blutzucker, Fruktosamin, Triglycerid und Gesamtcholesterin senkenden Effekt von Comatin aus Coprinus comatus bei diabeteskranken Ratten dokumentieren [158]. Auch wasserlöslichen Polysacchariden aus dem Hut des Pilzes konnte eine starke blutzuckersenkende Wirkung nachgewiesen werden. Mit einer Dosis von 300mg Pilzpulver (≈10–15mg Extrakt) pro kg Körpergewicht, über 28 Tage täglich gefüttert, konnte das Glukoselevel sogar auf jenes von gesunden Ratten gesenkt werden [165]. Verstärkt wird der antidiabetische Effekt des Pilzes durch eine Hemmung von verschiedenen Glykolisierungsprozessen [174].
 

Literatur:

Zu den Literaturangaben

 

Wanda May Pulfer ist Tierheilpraktikerin und Dozentin für Mykotherapie an der Paramed Akademie.

Sie ist Autorin des Thieme Fachbuches "Mykotherapie für Tiere".