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QualzuchtMastputen: Viele Muskeln - aber Bewegung ist nicht möglich!

Puten
Birgit Reitz-Hofmann / stock.adobe.com

Qualzuchten - Heute geht es um Mastputen und wie diese sich trotz vieler Muskeln kaum noch bewegen können. Welche Symptome typisch für die Merkmale der Zucht sind und welche Folgen diese für das Leben des Tieres von Geburt an haben, werden im Folgenden vorgestellt.

Sie wurden jahrzehntelang züchterisch auf hohe tägliche Gewichtszunahmen und eine übergroße Brustmuskulatur selektiert. Putenhähne erreichen durchschnittlich 21 kg in 145 Tagen, Putenhennen 10,8 kg in 111 Tagen. Mehr als ein Drittel des Gewichts macht allein das Brustfleisch aus.

Diese extremen Wachstumsraten haben teilweise schwerwiegende gesundheitliche Folgen, denn Skelett und innere Organe können mit dem rasanten Muskelwachstum nicht Schritt halten. Zu den bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören vor allem plötzlicher Herztod, Bauchwassersucht und Aortenrupturen. Beim Bewegungsapparat treten vor allem Gelenksentzündungen, tibiale Dyschondroplasie und Myopathie der tiefen Brustmuskulatur treten auf. Auch schmerzhafte Entzündungen oder Geschwüre der Ballen (plantare Pododermatitis) sind die Folge der hohen Körpermassen. Lahmheiten treten bei bis zu einem Drittel der Tiere auf. Sogar Femurfrakturen bei besonders schweren Tieren kommen aufgrund von ungenügender Mineralisation der Knochen und Entzündungen des Knochengewebes vor.

Merkmale:

  • Plötzlicher Herztod
  • Bauchwassersucht
  • Aortenrupturen
  • Gelenksentzündungen
  • Tibiale Dyschondroplasie
  • Myopathie
  • Schief- oder Fehlstellungen der Beine à Lahmheiten, Frakturen
  • Entzündungen, Geschwüre, Hautveränderungen

 Zudem führt die Zucht auf übergroße Brustmuskeln zu einer Verlagerung des Körperschwerpunktes. Die Folgen sind oftmals Schief- oder Fehlstellungen der Beine, um das Gewicht auszugleichen; ebenso unsicherer Gang und Gleichgewichtsprobleme bis zum nach vorne Überfallen der Tiere. Da die Fortbewegung so beeinträchtigt und teilweise schmerzhaft ist, liegen die Puten überdurchschnittlich häufig auf ammoniakhaltiger Einstreu, was die Entstehung von Hautveränderungen begünstigt.

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Quellen (nach Angaben von):

Hochschule Eberswalde - Prof. Dr. agr. habil. Bernhard Hörning (2013). "Qualzucht’ bei Nutztieren – Probleme & Lösungsansätze". Im Internet: ‚Qualzucht’ bei Nutztieren (baerbel-hoehn.de). (29.07.2022).

"Krankheitsursache Haltung. Beurteilung von Nutztierställen - Ein tierärztlicher Leitfaden". Richter T., Busch B., Karrer M., Müller A., Petermann S.. 2006. Enke Verlag.