Georg Thieme Verlag KG
Vet

Suchergebnisse zur Ihrer letzten Suchanfrage

Vet-News11. Leipziger Tierärztekongress: Endlich wieder persönlich!

Quelle: K. Oborny/Thieme

Tierseuchen, Zoonosen, rechtliche Vorgaben zum Einsatz von Antibiotika: Der Leipziger Tierärztekongress schlägt vom 13. bis 15. Januar 2022 eine Brücke zwischen Veterinär- und Humanmedizin. Im Interview wirft Kongresspräsident Prof. Dr. Uwe Truyen vom Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen der Universität Leipzig einen Blick auf die kommenden Highlights.


Herr Professor Truyen, der 11. Leipziger Tierärztekongress findet wie geplant auf dem Leipziger Messegelände statt. Welche Highlights erwarten die Branche?

Uwe Truyen: Vor allem ermöglicht der Leipziger Tierärztekongress wieder den persönlichen Austausch zwischen Veterinärmedizinern, Tierärztekammern und ebenso den vetexpo-Ausstellern. Trotz rasanten Wachstums mit zuletzt 6.200 Teilnehmern hat diese Veranstaltung ihren familiären Charakter immer bewahrt. Der Kongress deckt sämtliche Aspekte des tierärztlichen Berufsfelds ab. Ganz neu ist ein Symposium zur Translationalen Tierexperimentellen Forschung als Bindeglied zwischen Human- und Veterinärmedizin. Im Fokus stehen zudem Zoonosen – also Infektionen durch Krankheitserreger, die auf Tier und Mensch übertragen werden können – wie die Coronavirusinfektion. So werfen wir einen Blick auf die Sars-CoV-2-Situation bei Mensch und Tier in Brasilien – denn dort grassieren die Viren, das ist ein Hotspot für neue Mutationen. Weitere Themen im Programm sind Tierseuchen wie die sich vor allem in Sachsen und Brandenburg ausbreitende afrikanische Schweinepest, der Dauerbrenner Antibiotika-Resistenzen und damit verbundene rechtliche Vorgaben, Lebensmittelsicherheit und Tierwohl sowie aktuelle Themen und Entwicklungen der klinischen Veterinärmedizin bei unseren Haustieren.


Was bewegt die Branche gegenwärtig besonders und wie spiegelt sich das im Kongressprogramm wider?

Truyen: Einen immer höheren Stellenwert im veterinärmedizinischen Alltag gewinnen – zurecht – „Soft skills“ wie die kompetente, empathische Kommunikation mit den Besitzern der tierischen Patienten und nicht zuletzt den Mitarbeitern in den Praxen. Im Programm wird dem mit einem eigenen Workshop und Vorträgen in unterschiedlichen Themenkreisen Rechnung getragen. Ein weiteres großes Thema ist die Digitalisierung, die von den Patientenbesitzern und Tierärzten gleichermaßen gefordert wird. Wie sich die zunehmende Digitalisierung auf den tierärztlichen Beruf auswirkt, ist deshalb nicht nur Gegenstand der Auftaktveranstaltung. Diese Problematik spiegelt sich unter anderen im Schwerpunkt „Digitalisierung in der Lehre“ sowie in Vortragsreihen im Bereich Hund und Katze und Wiederkäuer wider. 


Welche Trends im Zusammenhang mit der Berufsausübung beobachten Sie noch?

Truyen: Eine bessere Work-Life-Balance wird von vielen Tierärztinnen und Tierärzten gefordert. Vorträge zur aktuellen Situation und Trends in der tierärztlichen Beraufsausübung sowie Möglichkeiten der Umsetzung bis hin zum Resilienztraining finden sich deshalb in mehreren Vorträgen und Schwerpunkten, darunter zum Beispiel im Berufspolitischen Forum.


Wie werden die besonderen Bedürfnisse von Studierenden in das Kongressprogramm einbezogen?

Truyen: Die vergangenen Veranstaltungen haben gezeigt, dass das reguläre Vortragsprogramm größere Attraktivität auf die Studierenden ausübt als speziell für diese angebotene Formate. Die Studierenden sind vielseitig interessiert und nehmen sowohl fachliche als auch berufspolitische Themen gern an. Dennoch dürften einige Vorträge wie zum Beispiel „Fächerrelevanz und neue Anforderungen an das VetMed-Studium“ auf besonderes Interesse stoßen. In Zusammenarbeit mit Hardenberg Consulting gibt es außerdem wieder das Bewerbungstraining für Studierende der Veterinärmedizin sowie die Jobmesse CAREER CORNER.


Eine Erweiterung der Raumkapazitäten wurde für den 11. Leipziger Tierärztekongress ja bereits angekündigt. Was bedeutet dies konkret?

Truyen: Auch 2022 werden wir wieder das komplette Congress Center Leipzig (CCL) nutzen. Zusätzlich wird die Raumkapazität der in die Messehallen 2 und 4 integrierten vier Säle von insgesamt 3.000 Plätzen (2020) auf fast 4.000 Plätze erweitert. Unser größter Vortragssaal fasst nunmehr 1.500 Plätze – statt 1.000, wie zur Vorveranstaltung vor zwei Jahren. Parallel dazu wird die Laufzeit der Fachmesse vetexpo von bisher zwei auf drei Tage und damit auf die gesamte Kongresslaufzeit verlängert. Dies erweitert nicht nur die Raumkapazitäten, sondern trägt auch zu einer Entzerrung des Veranstaltungsgeschehens im Sinne eines optimalen Hygienemanagements bei.


Stichwort Sicherheit: Wie wird sich dieser Kongress von seinen Vorgängern unterscheiden?

Truyen: Selbstverständlich wird der Kongress den Vorgaben der jeweils geltenden Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung folgen, die im Hygienekonzept „Safe Expo“ der Leipziger Messe umgesetzt ist. Wir sind bestrebt, für alle Referenten, Teilnehmer, Aussteller und Besucher größtmöglich sichere Rahmenbedingungen zu schaffen. Zudem ist ein hoher Prozentsatz der Tierärzte und Studierenden geimpft.


Zum Abschluss: Auf welche Sessions freuen Sie sich am meisten?

Truyen: Mich fasziniert die große Bandbreite des Angebots immer wieder, das mit über 500 Vorträgen überwältigend viele spannende Themen bietet. Aufgrund meiner fachlichen Ausrichtung interessieren mich speziell die Sessions zu Infektionskrankheiten und Tierseuchenbekämpfung. Besonders aber freue ich mich, dass ich Nachwuchswissenschaftler, die an der Veterinärmedizinischen Fakultät studiert haben oder hier Postdocs waren und inzwischen in aller Welt arbeiten, als nunmehr renommierte Wissenschaftler als Referenten wiedertreffe.


Quelle (nach Angaben von):

Leipziger Tierärztekongress (13.10.2021). 11. Leipziger Tierärztekongress: Endlich wieder persönlich! Im Internet: https://www.tieraerztekongress.de/pressemitteilungen/11-leipziger-tieraerztekongress-endlich-wieder-persoenlich/1236544; 15.10.2021