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Vet-NewsInbetweener-Katzen – Keine ganz normalen Katzen?!

Katzen, die Verhaltensprobleme entwickeln oder nicht die Anforderungen an eine Hauskatze erfüllen, sind für die meisten Besitzer*innen eine große Belastung. Viele dieser Katzen landen früher oder später im Tierheim und bleiben hier oft sehr lange.

A housecat sitting on a bench in a backyard
nordantin / stock.adobe.com

Sogenannte Inbetweener-Katzen zeigen oft unerwünschte Verhaltensmuster und werden teilweise aggressiv gegenüber Besitzer*innen. Geben diese dann auf und die Katzen werden ins Tierheim abgegeben, dann haben sie meist schlechte Vermittlungschancen, weil sie ängstlich oder aggressiv sind, sich verstecken und sich potenziellen Adoptierenden nicht zeigen.

Inbetweener-Katzen – Was kennzeichnet sie?

Die Organisation International Cat Care (iCatCare) hat ein Programm entwickelt, um die sogenannten Inbetweener-Katzen zu identifizieren - doch was zeichnet sie aus?

Inbetweener-Katzen sind vor allem Tiere, die als normale Hauskatzen gehalten werden und mit anderen Haustieren und Menschen zusammenleben, aber ständig durch unangenehmes Verhalten auffallen. Sie haben permanent Angst, sind frustriert oder aggressiv. Diese Katzen hatten meist in ihrer Kindheit keinen ausreichenden oder richtigen Kontakt mit Menschen und haben so nie den richtigen Umgang mit den Menschen gelernt. Zudem zeigen die meisten Charaktereigenschaften, die es ihnen zusätzlich schwer machen als normale Hauskatzen zu leben, wie Angst oder Aggression.

Viele dieser Katzen passen einfach nicht in ein herkömmliches Zuhause. Sie sollte anderweitig untergebracht werden. Viele benötigen viel Freiraum und vor allem Freigang, denn die meisten fühlen sich zusätzlich unwohl, wenn sie eingesperrt sind.

Identifikation, aber wie?

Das Wichtigste ist, Inbetweener-Katzen frühestmöglich als solche zu identifizieren, damit Probleme gar nicht erst entstehen und die Katzen gleich dort untergebracht werden können, wo es am besten für sie ist. Für die Identifikation ist es wichtig so viele Informationen wie möglich über die Katzen zu haben. Hierzu zählen Herkunft, Rasse, Geschlecht, Vorgeschichte und Verhalten im vorherigen Zuhause. Sind diese Informationen nicht verfügbar, können sie auch durch Beobachtungen der Katze erhoben werden. Wichtig ist festzustellen, wie sich die Katze in der Nähe von Menschen verhält.

Herkunft

Manchmal kennt man die Vorgeschichte nicht, doch wenn es Informationen über die Herkunft gibt, dann sollten diese betrachtet werden. Wie ist die Katze aufgewachsen, kommt sie von einem Züchter, ist sie ein Streuner oder wurde sie von privat gekauft. Sind die Elterntiere bekannt? Wenn ja, wie war deren Charakter.

Verhalten Zuhause

Verhaltensweisen wie das Verstecken vor Menschen, das Meiden des Kontakts mit Menschen, aber auch langer Freigang und wenig Aufenthalt in der Wohnung, meist nur zum Fressen, können bereits Hinweise geben. Zudem beißen, fauchen, knurren oder kratzen die Katzen häufig, wenn man sie streicheln möchte. Sie urinieren oder setzen Kot im Haus verteilt ab und nicht im Katzenklo. Die meisten hassen es zudem hochgehoben zu werden oder werden schnell aggressiv, wenn sie nicht das bekommen, was sie gerade haben wollen. Gegenüber Besucher*innen und fremden Menschen sind sie meist noch ängstlicher oder aggressiver als ihren Besitzer*innen gegenüber.

Körperliche Gesundheit

Wichtig ist es zudem abzuklären, ob die Katze so weit gesund ist. Gibt es beispielsweise chronischen Krankheiten oder immer wiederkehrende Probleme wie Durchfall, Blut im Urin oder Augeninfektionen. Alle diese Symptome können Anzeichen von chronischem Stress sein und treten häufig bei Inbetweener-Katzen auf.

Guideline zum Thema (Englisch)

Um diejenigen zu unterstützen, die mit Katzen auf der ganzen Welt arbeiten, hat International Cat Care (iCatCare) eine Reihe von katzenfreundlichen Dokumenten auf Englisch herausgebracht, u.a. zum Thema Inbetweener-Katzen.

Inbetweener Katzen - Guide

Beobachtungen im Tierheim oder in anderer Unterbringung

Wahrend der Zeit im Tierheim sollten die Katzen genau beobachtet werden. Hier gibt es typische Merkmale im Verhalten und in der Körpersprache der Katzen, die darauf hinweisen, dass es sich um einen Inbetweener-Katzer handelt. Manche Tiere verhalten sich jedoch in Gefangenschaft deutlich anders als sonst, sodass es bei Katzen, bei denen die Vorgeschichte nicht zum Verhalten im Tierheim passt, sinnvoll sein kann, dass diese in einer Pflegefamilie untergebracht und dort beobachtet werden.

Verhalten im Käfig:

  • Aktivität nur nachts oder wenn keine Menschen da sind
  • Käfig ist verwüstet, vor allem nach der Nacht am nächsten Morgen
  • Katze wartet an der Tür und will unbedingt raus
  • Katze versteckt sich immer und sitze nur in der hinteren Ecke
  • Katze ist sehr still, schläft aber nicht
  • Katze reagiert aggressiv auf Menschen, die sich dem Käfig nähern

Allgemeines Verhalten:

  • große Pupillen, weit aufgerissene Augen
  • gedrehte oder angelegte Ohren
  • ständiges Schlecken über die Nase und häufiges Schlucken
  • geduckte Haltung mit hochgezogenen Schultern und eingedrehten Gliedmaßen
  • gesenkter Kopf
  • eingezogener Schwanz

Katze identifiziert, und jetzt?

Viele Inbetweener-Katzen sind vor allem da gut aufgehoben, wo sie nicht eingesperrt sind, sondern sich frei bewegen können und viel Freilauf haben. Sie wollen meist nicht in einer "richtigen" Familie leben, sondern sehnen sich nach Freiraum und einem Menschen, der nichts von ihnen verlangt, sondern sie nur mit Futter und Wasser versorgt. Viele solcher Katzen eignen sich gut als Arbeitskatzen, sie leben dann um Hotels, Restaurants oder Bauernhöfe herum und halten Schadnager wie Mäuse und Ratten fern und werden dafür von den Menschen versorgt. Wichtig ist es auch, dass diese Katzen dort einen warmen und sicheren Unterschlupf bekommen, sowie ein Katzenklo, damit die Sauberkeit gewährleistet ist. So kann das Zusammenleben dieser Katzen und der Menschen für alle Beteiligten doch von Vorteil sein.

Die Katzen müssen für diesen Lebensstil allerdings geeignet sein. Sie sollten kastriert, geimpft, gechipt und gesund sein. Zudem sind Katzen mit sehr langem, pflegeaufwendigem Fell oder mit sehr kurzem bzw. gar keinem Fell eher ungeeignet. Aber auch alte und kranke Katzen sollten eher anderweitig untergebracht werden. Für diese Katzen eignet sich dann eine Zwischenlösung wie die Unterbringungen mit Zugang zum Freien, aber mit Schutz durch einen Zaun. Bedauerlicherweise gibt es jedoch auch Katzen, die in keiner Situation gut klarkommen und egal wo immer gestresst, aggressiv oder verängstigt sind. Bei diesen Katzen müssen Pflege und Tiermediziner*innen sich zusammensetzen und die beste Lösung für die Katze finden, denn nicht allen Katzen mit diesen Eigenschaften kann man helfen und teilweise gibt es dann nur noch die letzte Möglichkeit der schmerzfreien Euthanasie.

Quellen (nach Angaben von):

International Cat Care (2022). „Cat Carer Guides”. Im Internet: International Cat Care stellt neue katzenfreundliche Entscheidungsdokumente vor | Internationale Katzenpflege (icatcare.org). 05.09.2022