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Vet-NewsKopfschmerzen und Atemnot – erfolgreiches Qualzuchtverbot

Quelle: K.Oborny/Thieme

In der vergangenen Woche, am 31.01.2022 kam es in Norwegen zu einem historischen Gerichtsurteil im Bereich Qualzucht. Das Osloer Bezirksgericht verabschiedete ein Verbot der Zucht der beiden Hunderassen, Englische Bulldogge und Cavalier King Charles Spaniel auf Grundlage des Tierschutzgesetzes §25. Ob diese Entscheidung auch Auswirkungen außerhalb Norwegens und somit auch internationale Auswirkungen haben wird, wird die Zeit zeigen, sicher ist aber, dass es ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist.

Das Urteil wurde aufgrund einer Klage des Tierschutzbundes Norwegen erlassen, da dieser argumentiertet es gäbe keine gesunden Individuen dieser beiden Rassen mehr, die für eine weitere Zucht verwendet werden könnten, denn die beiden Hunderassen zählen beide zu den sogenannten brachyzephalen Hunderassen. Sie weisen einen sehr kurzen, runden Schädel auf, mit einer extrem kurzen Nasenpartie. Diese veränderte Anatomie führt vorwiegend zu Atemproblemen, aber auch weiteren anatomischen und physiologischen Störungen wie Fehlbildungen des Gebisses. Auch führt das sogenannte „brachyzephale obstruktive Syndrom“ (BOS) unter anderem zu lautem Schnarchen, Kurzatmigkeit, einer blauen Zunge, eingeschränkter Ausdauer und Belastung, schneller Überhitzung und Schlafstörungen. Außerdem weisen Individuen dieser beiden Rassen viele weitere Erbkrankheiten auf und leiden schon häufig von Geburt an unter Einschränkungen.
 

Der Cavalier mit den Kulleraugen

Im Speziellen ist der Cavalier King Charles Spaniel eine Rasse, die über die letzten Jahre bis Jahrzehnte mit immer mehr Problemen zu kämpfen hat. Zu der brachyzephalen Anatomie hinzu kommen angeborene Herzfehler, chronische Kopfschmerzen, aufgrund eines immer kleiner werdenden Schädels, sowie Augenprobleme (vor allem trockene Augen aufgrund des starken Hervortretens der Augen aus dem Schädel, da die Augenhöhle zu flach ist), aber auch Gelenkprobleme, vor allem im Knie aufgrund einer abnormalen Position der Kniescheibe im Gelenk. Teilweise leiden die Hunde auch an dem sogenannten „Epiodic Falling Syndrome“ (EFS), welches zu Muskelverkrampfungen führt.
 

Die Bullgogge und ihre vielen Falten

Die Englische Bulldogge ist ebenfalls eine Rasse mit vielen angeborenen und vererbten Problemen. Neben den Atemproblemen aufgrund der brachyzephalen Anatomie, besitzen die Tiere viele Hautfalten, die zu starken dermatologischen Beschwerden führen. Zudem haben Individuen dieser Rasse häufig Nierenerkrankungen und ebenfalls Probleme mit der Kniescheibe (Patellaluxation).
 

Kreuzungen als Alternative?

Das Verbot erhält viel Zustimmung, aber bringt auch einige Probleme mit sich. So werden beispielsweise die Bedenken größer, dass der illegale Welpenhandel, welcher nicht überprüft und kontrolliert wird damit gefördert werden könnte, da es kein Kaufverbot gibt. Die Züchter argumentieren, dass sie hart daran gearbeitet hätten, die Gesundheitssituation der Rassen zu verbessern und sie sich der Probleme bewusst sind. Die norwegische Tierschutzorganisation argumentiert dem entgegen, dass Kreuzzüchtungen eine gute Alternative darstellen können, sowohl für die Züchter als auch für die Gesundheit der Rassen. Hier ist jedoch das Probleme, dass der Rassestandard langfristig angepasst werden müsste, was nicht in der Hand von Tierschutzorganisation oder Züchtern, sondern der internationalen kynologischen Organisation FCI liegt.

Quellen (nach Angaben von): 

Prohibited to breed these dog breeds - NRK Norway - Overview of news from different parts of the country - World Today News (world-today-news.com)

Englische Bulldoggen und Cavalier King Charles Spaniels: Norwegen verbietet zwei Qualzucht-Rassen (rtl.de)