Georg Thieme Verlag KG
Vet

Vet-NewsSommer, Sonne, Fliegen – Große Gefahr für Kaninchen?

Cute little bunnies on the grass
tutye / stock.adobe.com

Der Sommer und die damit verbundenen warmen Tage bringen gerade für Kaninchen Probleme mit sich, denn die Anzahl an Fliegen steigt und somit auch die Gefahr eines Fliegenmadenbefalls, der schnell lebensbedrohlich werden kann.

Der Fliegenmadenbefall, auch Myasis genannt, ist eine äußerst schmerzhafte und schwerwiegende Erkrankung bei Kaninchen. Er entsteht durch Fliegen, die ihre Eier auf dem Körper der Kaninchen ablegen und deren Larven sich durch den Körper fressen können. Die Krankheit steht vor allem in Zusammenhang mit mangelnder Hygiene und bestehenden Gesundheitsproblemen. Sie tritt zudem meist bei Tieren in Außenhaltung auf.

Myasis

Myasis wird durch verschiedene Fliegenarten verursacht. Die Fliegen werden durch den Geruch von offenen Wunden, Fäkalien und Urin sowie von warmen, feuchten Bereichen angelockt. Diese feuchten Bereiche liegen häufig um den Analbereich herum, wenn dieser mit Fäkalien, z.B. bei Durchfall, verunreinigt ist. Die Fliegen legen ihre Eier ab (jede Fliege kann bis zu 200 Eier legen) und die Larven oder Maden ernähren sich dann von der Haut des Tieres. Je nach Art schlüpfen nach 8 Stunden bis 3 Tagen die Erstlarven, die in die Haut eindringen und zu entzündlichen Hautveränderungen führen können, indem sie sich durch Muskeln und andere Gewebe des Kaninchens fressen.

Ursachen eines Befalls

Hauptursache eines Fliegenmadenbefalls bei Kaninchen ist Durchfall. Der weiche Kot, der die Anogenitalregion und das Fell verschmutzt, lockt die Fliegen an. Die durch den Durchfall und die Feuchtigkeit gereizte und entzündete Haut ist zudem ein geeigneter Platz für die Eiablage der Fliegen. Aber auch offene Wunden oder Abszesse bieten einen idealen Lebensraum für Fliegenlarven. Häufig kommt mangelnde Hygiene hinzu, wenn die Einstreu nicht regelmäßig ausgewechselt wird, zu viele Tiere auf zu wenig Raum leben oder diese nicht regelmäßig kontrolliert werden. Aber auch Stress und ein allgemein geminderter Allgemeinzustand machen Kaninchen anfälliger für Entzündungen und somit auch für einen Befall durch Fliegenlarven.

Was sind typische Symptome?

Zuerst fallen meist entzündete Stellen in Verbindung mit einem starken Geruch auf. Hinzu kommen dann weißlich-gelbe Fliegenmaden, die auf der Haut, im Fell oder einer Wunde sichtbar werden. Aber auch Verhaltensveränderungen aufgrund der Schmerzen eines Befalls sind möglich. Meist verweigern betroffene Kaninchen zudem die Nahrungsaufnahme und liegen apathisch in einer Ecke. Auch das vermehrte Auftreten von Fliegen ist ein Indiz.

Was tun beim einem Befall?

Bei Befall – sofern der Zustand des Tieres es noch erlaubt – sollten die Hautareale in der Praxis ausgeschoren, gereinigt und alle Maden abgesammelt oder ausgespült werden. Zur adäquaten Behandlung gehören eine Wundversorgung und -pflege, Infusionen, Analgesie und Antibiose. Zur Elimination von oberflächlichen Larven und Eiern und zur Prophylaxe kommen verschiedene Insektizide infrage. Zugelassen für Kaninchen ist derzeit aber nur ein Imidacloprid-Präparat gegen Flöhe, mit begrenzter Wirkung gegen Fliegenmaden. Nitenpyram führt laut anekdotischen Berichten zu einer raschen Abtötung der Fliegenmaden, ist jedoch weder für Kaninchen zugelassen noch in Studien erprobt und sollte deshalb vorsichtshalber nur bei intakter Haut angewendet werden. Grunderkrankungen sollten zeitnah behandelt werden.

Prävention ist die beste Maßnahme!

Prophylaktisch sollte gerade in den warmen Sommermonaten idealerweise 2-mal täglich die Anogenitalregion abgesucht werden. Vor allem Risiko-Kaninchen sollten häufiger angeschaut werden, wenn sie beispielsweise Blasenprobleme, Arthrose oder Durchfallerkrankungen haben. Zudem kann ein engmaschiges Fliegengitter am Gehege helfen. Klo-Ecken oder Toiletten der Tiere sollten zudem in den warmen Monaten täglich gereinigt werden. Mülltonnen, Komposthaufen oder Ähnliches gehören nicht in die Nähe des Geheges. Fliegenfallen können zudem nützlich sein, sollten aber außer Reichweite der Kaninchen angebracht werden.
 

Prophylaxemaßnahmen

  • richtiges Futter
  • Hygiene
  • tägliche Kontrollen
  • richtige Pflege
  • adäquate Wundversorgung
  • regelmäßige tierärztliche Check-Ups
  • Fliegengitter
  • Insektenabwehr
  • gute Urlaubsbetreuung


Fazit – Vorsicht ist besser als Nachsicht!

Die Prognose für ein Kaninchen mit Fliegenmadenbefall ist von verschiedenen Faktoren abhängig, jedoch kann die Behandlung sehr langwierig und aufwendig werden. Für das Überleben des betroffenen Tieres sind schnelles Handeln und ein sofortiger Tierarztbesuch unabdingbar. Wenn die Fliegenlarven nur oberflächlich sitzen und leicht abgesammelt werden können, stehen die Chancen mit der richtigen Behandlung gut, doch auch nach erfolgreicher Behandlung sollte die Grundursache für den Befall gefunden werden, um einen erneutes Auftreten zu verhindern. Sind bereits tiefere Schichten angegriffen sinken die Chancen einer erfolgreichen Behandlung für das betroffene Tier. Sind die Fliegenlarven bereits in die Körperhöhle des Tieres vorgedrungen , ist meist die schmerzfreie Euthanasie die bessere Variante für das betroffene Tier.

Quellen (nach Angaben von):

Typische und untypische Infektionserreger beim Kaninchen: Teil 3 Hautdiagnostik und parasitäre Infektionen. kleintier konkret 2022; 25(S 01): 28-36. DOI: 10.1055/a-1760-4551.

Tiermedizin Portal (01.2022). "Fliegenlarven-Befall (Myiasis) beim Kaninchen". Im Internet: Fliegenlarven-Befall (Myiasis) beim Kaninchen - Ursachen, Diagnose, Symptome, Behandlung, Prognose, Vorbeugung | Tiermedizinportal. 08.06.2022