Georg Thieme Verlag KG
Vet

Suchergebnisse zur Ihrer letzten Suchanfrage

Tag des MeeresUnsere Ozeane – Das Meer und seine Bewohner in Gefahr

yudhistirama/stock.adobe.com

Jahrtausende lang betrachtete die Menschheit die Ozeane als grenzenlos, unerschöpflich und unverwundbar. Die Folgen dieses Irrtums sind heute offensichtlicher denn je: Riffe sterben, Küsten zerfallen, Fischer blicken vielerorts in leere Netze. Wer das Gute der Meere will, muss die Ozeane schonend behandeln und erkennen, dass auch der größte Lebensraum unseres Planeten an seine Grenzen kommen kann.

Wasser – der Quell allen Lebens

Die Erde ist ein Planet des Wassers. Ozeane und Meere erstrecken sich über eine Fläche von 362 Millionen Quadratkilometern und bedecken damit 71 Prozent der Erd­oberfläche. Wen diese Zahlen allein wenig beeindrucken, der sollte sich vor Augen führen, dass allein die Fläche des Pazifischen Ozeans ausreichen würde, um alle Kontinente und Inseln der Erde darin aufzunehmen. Doch damit nicht genug: Die vier großen Ozeanbecken der Welt sind im Durchschnitt rund 3700 Meter tief und bieten gemeinsam Raum für mehr als 1,3 Milliarden Kubikkilometer Wasser. Rein rechnerisch würde diese Menge ausreichen, um Deutschlands größten Binnensee, den Bodensee mehr als 27 Millionen Mal bis zum Rand zu füllen. Faktisch betrachtet zirkulieren 97 Prozent allen flüssigen Wassers der Erde in den Weltmeeren.

Das Meer sichert unsere Existenz

Das Meer bremst den Klimawandel, indem es Wärme und das Treibhausgas Kohlendioxid aufnimmt und in seinen Tiefen für Jahrhunderte wegschließt. Es dient als Transportweg für unsere Waren und verbindet Kontinente über Tausende Kilometer hinweg. Es lagert Rohstoffe auf oder in seinem Boden, die wir schon jetzt nutzen oder aber erst in Zukunft nutzen werden; es ist Produzent für erneuerbare Energien – und zu alldem auch ein Ort, an dem wir uns entspannen und erholen, unter besonderen Umständen selbst auf digitalem Weg. Zum Höhepunkt der Coronapandemie im Jahr 2020 beispielsweise posteten Menschen aus aller Welt in den sozialen Netzwerken Meeresbilder, um ihrem Wunsch Ausdruck zu verleihen, einmal kurz abzuschalten und den Pandemiestress ver­gessen zu wollen.

Die Ozeane und Meere sind zudem der größte zusammenhängende Lebensraum unseres Planeten. 99% des von Organismen bewohnbaren Raumes finden sich in den Weltmeeren. Ihre beeindruckende Artenvielfalt reicht von mikroskopisch kleinen einzelligen Algen und Tiefseemikroben bis zum riesigen Blauwal, dem mit bis zu 30 Metern Körperlänge größten ­Säugetier der Welt.

Kaum ein Flecken ohne Spuren des Menschen

Fakt ist, dass der Mensch seit Jahrzehnten maßgeblich die Gesundheit und das Wohlergehen der Meere und Ozeane beeinflusst. 66 Prozent der marinen Lebensräume hat der Mensch in einem bedeutenden Maß verändert. Das heißt im Klartext, ihr Zustand hat sich nachweislich verschlechtert. Besonders drastisch sind die Zustände in den Küstengebieten, von denen die meisten auch weiterhin zerstört werden.

Die Abnahme der marinen Artenvielfalt und die Verschlechterung der Lebensbedingungen seien in erster Linie auf die zunehmende Fischerei sowie auf die intensive Nutzung der Küstenräume zurückzuführen, berichten die Forscher. Auf den weiteren Rängen folgen der Klimawandel, die Verschmutzung der Meere sowie die Einwanderung ortsfremder Arten, wobei die Experten des Weltbiodiversitätsrates betonen, dass der Einfluss dieser drei Triebkräfte stetig zunehme.

Nur rund 13% der Weltmeere noch unangetastet

Unverfälschte marine Wildnis, das heißt biologisch und ökologisch intakte Meereslebensräume, in denen der Mensch bislang so gut wie keine Spuren hinterlassen hat, gibt es nach Angaben von Meeresforschern noch in einigen südlichen Gebieten der Hohen See sowie in den noch immer schwer zugänglichen Polarmeeren. Die Gesamt­fläche dieser naturbelassenen Meeresgebiete entspricht aber lediglich einem Anteil von 13,2% der globalen Meeresfläche.

In den vom Menschen stark frequentierten Naturräumen der Erde ist der Druck auf die natürlichen Lebensgemeinschaften mittlerweile so groß geworden, dass einige Arten derzeit eine beschleunigte Evolution durchlaufen – so auch im Meer. Stark befischte Speisefischarten beispielsweise werden mittlerweile früher geschlechtsreif. Steigende Luft- und Wassertemperaturen wiederum führen dazu, dass sich bestimmte Arten neuerdings zu einem früheren Zeitpunkt im Jahr paaren und gewohnte Muster des Lebens im Meer an vielen Stellen aus den Fugen geraten.
 

Der Mensch ist zur größten Gefahr der Weltmeere geworden.


Unterwasserlärm

Die Hintergrundbelastung mit Unterwasserschall in den Meeren hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zum Teil verdoppelt bis verdreifacht. Ursache dafür ist auch der Schiffsverkehr. Der Lärm entsteht durch Motorengeräusche und die sogenannte Kavitation: Am Schiffsantrieb beginnt das Wasser durch Druckveränderungen zu "kochen". Die berstenden Gasbläschen erzeugen ohrenbetäubenden Lärm.

Schweinswale leiden besonders

Da Wasser den Schall gut leitet, spielt er für viele Meeresbewohner eine große, oft überlebenswichtige Rolle. Schweinswale etwa verfügen über ein hochentwickeltes Biosonar. Sie senden Ultraschall-Klicks aus, um sich zu orientieren. Lärm stört ihre Verständigung mit Artgenossen sowie das Paarungsverhalten und erschwert die Nahrungssuche. Aber auch Fischarten wie der Dorsch nutzen Schall zur Kommunikation und Orientierung. Für viele Fische ist die Schallwahrnehmung zudem wichtig, um Fressfeinden zu entgehen.

Welche Effekte der Unterwasserschall auf die Meeresbewohner hat, hängt vom Schallpegel sowie von der Entfernung zur Schallquelle ab. Im gravierendsten Fall kann Unterwasserschall zum Tod der Meeresbewohner führen oder Verletzungen hervorrufen. So sind Schweinswale auf ihr gutes Gehör angewiesen. Verschlechtert es sich zeitweise oder gar dauerhafte, hat das schwerwiegende Folgen für die Tiere. Bei geringeren Schallpegeln oder in größerer Entfernung zur Schallquelle treten so genannte Maskierungseffekte auf. Ebenso wie wir uns an einer stark befahrenen Straße schlecht unterhalten können, ist für Meeresbewohner die Wahrnehmung überlebenswichtiger Schallsignale gestört. Schweinswale meiden daher solche Bereiche. Durch Lärm geht den Tieren damit Lebensraum verloren.

Was muss getan werden?

Es besteht noch viel Forschungsbedarf. Besonders bei Dauerschall wird bislang noch nicht ausreichend verstanden, ab welchem Schallpegel mit Störungen und Schäden zu rechnen ist und wie groß die Effekte sind. Deshalb fehlen entsprechende Grenzwerte für den Unterwasserlärm. In dem Meeren muss es leiser werden, solange hier noch Unklarheit herrscht.


Quelle (nach Angaben von):

world ocean review (2021). Im Internet: Unsere Ozeane – Quelle des Lebens « World Ocean Review. 02.06.2022
NABU.de. Im Internet: Lärm im Meer - NABU. 02.06.2022