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Die afrikanische Riesenhamsterratte gehört zu den größten Mäuseverwandten der Welt. Die Nager sind nachtaktiv und werden in Afrika aufgrund ihrer hohen Reproduktionsraten als Fleischlieferanten genutzt. Aber auch in der Landminenräumung und als Tuberkulosediagnostiker werden sie eingesetzt.

Man kann 4 Arten unterschieden, dazu zählen unter anderem die Gambia- und die Emin-Riesenhamsterratte, welche in der Heimtierhaltung in Deutschland eher angetroffen werden. Unterscheiden kann man die beiden Arten anhand ihrer Fellfärbung und des Körperbaus. Die Gambia-Riesenhamsterratte ist größer und kompakter, zudem ist sie graubraun, hingegen die Emin-Riesenhamsterratte kleiner und zierlicher ist und eher ein rötlich-braunes Fell mit klar abgegrenztem weißem Bauchfell aufweist. Vorwiegend leben Riesenhamsterratten auf dem Boden, jedoch können sie auch sehr gut klettern. Außerdem errichten sie sich große unterirdische Bauten mit mehreren Tunneln und Kammer, die in verschiedene Bereiche eingeteilt sind, beispielsweise gibt es eine Schlafkammer, eine Aufzuchtkammer, ein Futterlager und eine Toilette.

 

Parameter

Physiologischer Bereich

Lebenserwartung

5-6 Jahre (in Gefangenschaft auch bis zu 8 Jahre)

Gewicht

1,3-1,5kg (Weibchen) – bis zu 2,8kg (Männchen)

Reproduktion

5 Würfe/ Jahr mit 1-6 Welpen

Trächtigkeitsdauer

30 Tage (Nesthocker)

Geschlechtsreife

ab 6 Monate

Ob Riesenhamsterratten Einzelgänger sind und nur in der Paarungszeit zusammenkommen oder doch koloniebildend leben, ist wissenschaftlich immer noch nicht abschließend geklärt. Jedoch werden die meisten Riesenhamsterratten in Gefangenschaft als gegengeschlechtliche Paare, wobei das Männchen kastriert ist, gehalten oder aber auch als Einzeltiere. Vereinzelt gibt es aber auch Haltungen in denen gleichgeschlechtliche Tiere ohne größere Probleme gehalten werden.

Das Gehege sollte aber in jeden Fall ausreichend Platz bieten und gut strukturiert sein. Dabei sollte die Grundfläche für 2 Tiere ca. 5m2 umfassen, mit einer Höhe von 2m, auch wenn die Mindestanforderung für 1-2 Tiere in Deutschland nur bei 2m2 und einer Höhe von 0,7m liegen. Zusätzlicher Auslauf sollte außerdem ebenfalls angeboten werden, dabei muss jedoch auf die Rattensicherheit geachtet werden, wie kein Zugang zu Kabeln oder Pflanzen. Das Gehege sollte dabei abwechslungsreich eingerichtet sein, mit vielen Kletter- und Versteckmöglichkeiten. Plastikwannen und verzinkte Gitter sollten vermieden werden, da diese häufig zu Intoxikationen oder anderen gastrointestinalen Problemen bei den neugierigen Nagern führen.

Riesenhamsterratten sollten immer ausreichend beschäftigt werden, denn wird ihnen langweilig sind sie unzufrieden und fangen an Sachen zu zerstören. Ein Laufrad oder Laufteller ist daher ein gutes zusätzliches Angebot zu einem gut strukturierten Käfig und genügend Platz mit zusätzlichem Auslauf. Aber auch Intelligenzspielzeug für Papageien oder Katzen, sowie Clickertraining eignen sich zur adäquaten Beschäftigung sehr gut.

 

Riesenhamsterratten ernähren sich omnivor und sind sehr gefräßig, in der Natur nehmen sie, wenn es möglich ist, große Mengen an Futter auf einmal auf. Ihre natürliche Ernährung umfasst vor allem Pflanzen wie Gräser, Knollen oder Wurzeln, aber auch Nüsse, Saaten und tierische Proteinquellen wie Ameisen oder Grillen. In Gefangenschaft sollten die Riesenhamsterratten mit einer ausgewogenen Mischung aus Gemüse und Obst gefüttert werden, die durch handelsübliches Mäuse- oder Rattenfutter ergänzt werden kann. Nüsse oder Kerne sollten nur in kleinen Mengen und daher nur als Leckerli angeboten werden. Aber auch eiweißreiches Futter in Form von gekochten Eiern, Mehlwürmer, fettarmen Käse oder Joghurt sollte Bestandteil der Nahrung sein, jedoch nur 1-2-mal pro Woche. Wichtig bei der Fütterung ist zudem, dass die Tiere ihr Futter suchen und sich erarbeiten müssen, da es sonst schnell zu einem Überangebot und Langeweile kommt. Frisches Wasser sollte außerdem immer zur Verfügung stehen.

Riesenhamsterratten als Patienten in der Heimtierpraxis – Biologie, Haltung und Ernährung. kleintier konkret 2022; 25(09): 1-7.