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Vitalpilze & deren WirkungMykotherapie für Tiere: Pleurotus ostreatus

Oyster mushrooms
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Mit Vitalpilzen Tiere erfolgreich therapieren. Immer mehr Studien belegen die Wirksamkeit von Pilzinhaltsstoffen. Lesen Sie im Artikel über den Pleurotus ostreatus und dessen Wirkung.

Andere Bezeichnungen: Austernseitling, Austernpilz, Oyster MUshroom, Hiratake, Tomogitake, Ping Gu


Ökologie und Geschichte

Die Gattung der Seitlinge (Pleurotus) umfasst mehr als 30 Arten. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit sind sie auf der ganzen Welt zu finden. Pleurotus ostreatus (lateinisch), auch Austernseitling oder Kalbfleischpilz genannt, wächst als Saprophyt auf totem Holz oder als Schwächeparasit an lebenden Bäumen. Er bevorzugt dabei das Holz von Laubbäumen. In Deutschland kommt er hauptsächlich an Rotbuchen vor. Die in kälteren Regionen der Erde angesiedelten Austernpilze benötigen ähnlich wie der Enokitake kalte Temperaturen unter 11°C, um einen Fruchtkörper ausbilden zu können. Frostperioden können sie unbeschadet überdauern. Ihr Wachstum stellen sie erst ab –2,8°C ein. In Europa gehörte der wildwachsende Pilz, der im Herbst, aber auch im Winter in verschneiten Wäldern gefunden werden kann, nicht selten zum Festmahl in der Christnacht. Heute wird der Austernseitling wegen seines vorzüglichen Geschmacks in großen Mengen kultiviert. In China wurde der Pilz bereits zu Zeiten der Ming-Dynastie (1368–1644 n. Chr.) in mehreren Schriften erwähnt. Man geht jedoch davon aus, dass der Ping Gu, wie der Austernseitling in chinesischer Sprache genannt wird, bereits viel früher als Nahrung und in der Volksheilkunde als Heilmittel Verwendung fand.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Steckbrief Pleurotus ostreatus

Wirkung:

  • antibakteriell
  • antifungal (Candida albicans)
  • antimutagen
  • antiinflammatorisch (COX-2 Hemmung)
  • prostaglandinsenkend
  • antioxidativ und schützend gegen freie Radikale
  • atherosklerosehemmend
  • schützend auf den Magen
  • krebshemmend
  • stärkend und aktivierend auf die TH1-Immunabwehr
  • aufbauend und kräftigend
  • schleimhemmend
  • entspannend und regenerierend auf Gelenke und Muskulatur
  • senkend auf Cholesterin, LDL, Triglyceride und Phospholipide
  • hypoglykämisch, regulierend auf den Blutzucker

Einsatzgebiete beim Tier:

  • Erhöhte Cholesterin- und Blutfettwerte/Hypercholesterinämie
  • Insulinresistenz, Diabetes Typ 2
  • Übergewicht/Fettleibigkeit
  • Krebserkrankungen (Sarcoma, Mammatumore, Darmkrebs)
  • Schutz vor freien Radikalen
  • Atherosklerose/Verengung der Gefäße
  • Chronische Darmentzündungen (IBD)
  • Magenulzera, Gastritis
  • Bakterielle Infektionen
  • Beschwerden der Muskulatur, Gelenke, Sehnen und Blutgefäße
  • Lipidkeratopathie
  • Rekonvaleszenz und Appetitlosigkeit
  • Begleitend bei Diabetes, Hypothyreose, koronaren Herzerkrankungen
Inhaltsstoffe

Der Pleurotus ostreatus ist einer der Pilze unter den Seitlingen, der für seine wertvolle und gesundheitsfördernde Wirkung traditionell bekannt ist. Der Austernseitling enthält ungefähr hundert verschiedene bioaktive Inhaltsstoffe [397], darunter alle Vitamine der B-Gruppe. Sein Gehalt an den Vitaminen B7, B9 und K1 ist sogar der höchste unter allen 14 Vitalpilzen. Der Austernseitling ist auch reich an den Vitaminen B2, B3, B5 sowie an den Vitaminen C und E, welche in Pilzen eher selten vorkommen. Er enthält aber auch Vitamin D, reichlich Mineralstoffe wie Kalium, Natrium, Magnesium, Kalzium und Phosphor sowie die Spurenelemente Kupfer und Zink.

Darüber hinaus sind in Pleurotus ostreatus eine beachtliche Menge an Proteinen, darunter Lektine und Enzyme, sowie alle essentiellen und nicht-essentiellen Aminosäuren zu finden. Die Pilzfrucht enthält zudem gesättigte wie auch einfach sowie mehrfach ungesättigte Fettsäuren, darunter Linolsäure und Ölsäure [397]. Außerdem enthält der Fruchtkörper von Pleurotus ostreatus nach Agaricus blazei Murrill die zweithöchste Menge an Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und sogar die höchste Menge an Ergothionein unter allen Vitalpilzen [570].

Antikanzerogene Wirkung

Bei wissenschaftlichen Untersuchungen fand man verschiedene bioaktive Inhaltsstoffe wie Lektine, Polysaccharide, Polysaccharid Peptide sowie Polysaccharid-Protein-Komplexe [397][411]. Von besonderer Bedeutung ist darunter das Beta-Glucan „Pleuran“, welches über eine antioxidative, antikanzerogene, antiallergische und immunstimulierende Wirkung verfügt [414][407]. Die krebshemmende Wirkung von Pleurotus ostreatus ist seit Prof. Ikekawas Untersuchungen aus dem Jahr 1969 bekannt, als dieser diverse Pilze auf ihre tumorhemmende Wirkung hin untersuchte. Dabei konnte durch Injektion des wässrigen Extraktes aus Pleurotus ostreatus eine Tumorhemmung von Sarcoma 180 über 75,3% erreicht werden [536]. Aber auch durch die orale Einnahme übt der Pilz eine antikanzerogene Wirkung aus. Die Fütterung des Pilzes an krebskranke Mäuse erreichte eine Hemmung von Sarcoma 180 um 79,4% sowie von Mammatumoren um 89,7% [583]. Anhand einer Studie, die in den USA durchgeführt wurde, konnte nachgewiesen werden, dass die Substanzen aus Pleurotus ostreatus die Proliferation (Zellteilung) von Darm- und Brustkrebszellen hemmen können. Die Wirkung war sogar stärker als diejenige der anderen getesteten Pilze (Shiitake, Enokitake, Champignon) [406]. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2013 bestätigt die potente zytotoxische und antiproliferative Wirkung des wässrigen Extraktes aus Pleurotus ostreatus gegen Nieren- und Brustkrebszellen, insbesondere aber gegen Darmkrebszellen [393]. Dabei unterstützt der Pilz den p53-abhängigen wie auch den p53-unabhängigen Weg [406]. Die besonders starke Wirkkraft gegen Darmkrebs zeigt einen synergetischen Zusammenhang mit der antiinflammatorischen Wirkung des Pilzes, welche sich positiv auf entzündliche Darmerkrankungen auswirkt. Das Auftreten von entzündungsbedingten Darmtumoren konnten durch die Einnahme des Pilzes signifikant reduziert werden [405]. Aufgrund seines hohen Gehalts an Folsäure ist der Pilz bei malignen Lymphomen jedoch kontraindiziert. In Indien wurde die Wirkung des Austernseitlings ebenfalls untersucht. Gefunden wurde eine Proteinfraktion (CBAEP) mit antikanzerogener und TH1-immunmodulierender Wirkung [409] sowie eine ganze Reihe bioaktiver Polysaccharide und Proteoglycane aus dem Myzel des Pilzes, welchen eine immunstimulierende und gegen Sarcoma tumorhemmende Wirkung nachgewiesen werden konnte [398][410]. Das im Fruchtkörper enthaltene Flavonoid Chrysin fördert zudem die Apoptose [603]. Die hemmende Wirkung des Pilzes auf die Telomerase in Krebszellen wurde im Jahr 2014 bei Magenkrebs bestätigt [647].

Antivirale Effekte

Der wässrige Pilzextrakt führte durch Injektion bei Herpes-simplex-Typ-2-infizierten Mäusen zu einer Überlebensrate von 100% [553].

Wirkung auf den Stoffwechsel

Eine der Hauptwirkungen des Austernpilzes liegt auch in seiner starken regulierenden Wirkung auf den Cholesterinhaushalt. In Tierstudien konnte eine deutliche cholesterinsenkende Wirkung bei der Fütterung des Pulvers aus dem Fruchtkörper von Pleurotus ostreatus mit einem Anteil von 5% der Gesamtfuttermenge nachgewiesen werden. Die Triglycerid-, LDL-Cholesterol und Phospolipid-Werte wurden ebenfalls massiv gesenkt [399]. Außerdem verloren die hypercholesterämischen Versuchstiere an Körpergewicht [391]. Dieser positive Effekt auf den Cholesterinstoffwechsel mit antiatherosklerotischer Wirkung wird vor allem den beiden Substanzen Chrysin [392] und Lovastatin [394] zugeschrieben. Der Pilz wirkt sich aber auch positiv auf den Kohlenhydratstoffwechsel aus. Anhand von Versuchen an Mäusen sowie auch an Typ-2-Diabetes erkrankten Menschen konnte eine signifikante hypoglykämische Wirkung durch Verabreichung des Pilzpulvers nachgewiesen werden [403].

Antioxidative Wirkung

Des Weiteren verfügt der Austernseitling auch über eine starke antioxidative und vor freien Radikalen schützende Kraft, welche in zwei koreanischen Tierstudien bestätigt wurde. Die Inhaltsstoffe aus dem Extrakt des Pilzes, darunter erhebliche Mengen an Ergothionein [570], üben eine steigernde Wirkung auf die antioxidativen Enzyme Katalase (CAT), Superoxiddismutase (SOD), Glutathionperoxidase (Gpx) und Glutathion-S-Transferase (GSTs) [401], sowie einen hemmenden Effekt auf Carbonylproteine aus [402]. Durch Zink und Selen kann die antioxidative, aber auch die antitumorale Wirkung des Pilzes noch gesteigert werden [641].

Antiinflammatorische Wirkung

Pleurotus ostreatus und seine Polysaccharide verfügen zudem über eine starke antiinflammatorische und schleimhemmende Wirkung. Die bei chronischen Darmentzündungen (IBD) [405] und Magenulzera [413] nachgewiesene entzündungshemmende und prostaglandinsenkende Wirkung bei Mäusen beruht unter anderem auf der Hemmung des COX-2 Enzyms, aber auch auf immunmodulatorischen Wirkeffekten [404].

Antimikrobielle Effekte

Antibakterielle und antifungale Effekte wurden in mehreren Studien getestet und bestätigt. Bakteriell infizierte Mäuse überlebten länger, wenn ihnen gleichzeitig das Polysaccharid Pleuran aus dem Fruchtkörper des Pilzes zugeführt wurde. Dies wurde bereits 1994 festgehalten [408]. Für die wasserlöslichen Wirkstoffe aus dem Fruchtkörper des Austernpilzes konnten eine antifungale Wirkkraft gegen Candida albicans von mehr als 50% erbracht werden [412]. Und auch das Peptid „Pleurostrin“ aus der Pilzfrucht zeigte eine antifungale Wirkung [396]. Potente antibakterielle Effekte gegen eine breite Palette von Erregern zeigten die durch Alkohol extrahierten Wirkstoffe wie Phenole, Tannine und Terpenoide [400]. Jedoch verfügen auch andere Seitlingsarten eine hohe antimikrobielle Wirkkraft. So wurde beispielsweise das Antibiotikum „Pleurotin“ aus dem Myzel von Pleurotus griseus sowie die antibiotische Substanz „Pleuromulin“ aus Pleurotus mutilius gewonnen.
 

Literatur:

Zu den Literaturangaben

 

Der Originalartikel ist erschienen in:

Mykotherapie für Tiere. Pulfer, W. M. Thieme. 2., aktualisierte Auflage 2019. 9783132427303.

Wanda May Pulfer ist Tierheilpraktikerin und Dozentin für Mykotherapie an der Paramed Akademie.

Sie ist Autorin des Thieme Fachbuches "Mykotherapie für Tiere".