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Hunde und KatzenWeltblutspendetag – Bluttransfusionen und Blutgruppen

Anlässlich des Weltblutspendetags am 14.06. geht es in diesem Beitrag um die Blutgruppensysteme bei Hund und Katze sowie wichtige Fakten rund um Bluttransfusionen.

toeytoey/stock.adobe.com

Inhaltsverzeichnis

Blutgruppen beim Hund

Durch verschiedene Antigene auf der Oberfläche der Erythrozyten entstehen 12 unterschiedliche Blutgruppensysteme, wobei DEA 1 nochmals in 3 Untergruppen (DEA 1.1, 1.2 und 1.3) unterteilt wird. Die canine Blutgruppe mit der stärksten Antigenität ist DEA 1.1.

Ein idealer Spender ist ein DEA-1.1-negativer Hund.

Vor einer Bluttransfusion werden sowohl das Spender-, als auch das Empfängertier auf das Vorhandensein von erythrozytären Antigenen untersucht. Relevant ist hier nur die Blutgruppe DEA-1.1. Ein Hund wird also entweder als DEA-1.1-positiv (besitzt die spezifischen Antigene) oder DEA-1.1.-negativ (besitzt die spezifischen Antigene nicht) eingestuft.

Im Gegensatz zum Menschen ist es bei der ersten Blutspende nicht relevant, welche Blutgruppe die Hunde haben, da Hunde keine klinisch relevanten, natürlich vorkommenden Antikörper gegen DEA 1.1 besitzen.

Aufgrund der Antikörperbildung nach Erstkontakt, sollte aber spätestens vor einer zweiten Spende unbedingt ein Blutgruppentest durchgeführt werden!

Neue Blutgruppe Dal

Vor einigen Jahren wurde zudem eine neue Blutgruppe namens Dal entdeckt. Auch hier kann die Transfusion eines sensibilisierten Dal-negativen Hundes mit Dal-positivem Blut zu einer akuten Hämolyse führen. Ein kürzlich veröffentlichter Artikel beschreibt außerdem, dass das Gen vor allem bei Dalmatinern, Dobermann-Pinschern und Shih Tzus gefunden wurde. Dalmatiner, die das Dal-Antigen nicht besitzen, haben ein erhöhtes Risiko verspäteter und akuter hämolytischer Transfusionsreaktionen. Leider gibt es bisweilen keinen verfügbaren Test für den Nachweis des Dal-Antigens in der Praxis.

Blutgruppen bei der Katze

Bei der Katze unterscheidet man 3 Blutgruppen: A, B und AB, wobei die Blutgruppe A in Europa die häufigste ist. Blutgruppe AB tritt extrem selten auf; Ragdollkatzen haben diese Blutgruppe am häufigsten, grundsätzlich ist die Blutgruppe AB aber bei allen Rassen möglich. Die Häufigkeit der Blutgruppen A und B variiert je nach Region und Rasse. So haben zum Beispiel alle Siamesen sowie der Großteil der Europäisch Kurzhaar-/Langhaarkatzen die Blutgruppe A und bis zu 60 % der Britisch Kurzhaar die Blutgruppe B.

Katzen mit den Blutgruppen A oder B besitzen natürlich vorkommende, klinisch relevante Alloantikörper. Die Unverträglichkeitsreaktionen von Katzen mit der Blutgruppe B sind deutlicher ausgeprägt als die von Tieren mit der Blutgruppe A, da Katzen mit der Blutgruppe A einen niedrigen Anti-B-Titer und Katzen mit der Blutgruppe B einen hohen Anti-A-Titer aufweisen. Daraus ergibt sich, dass für alle felinen Bluttransfusionen immer eine Blutgruppenbestimmung und/oder ein Kreuztest durchgeführt werden müssen.

Katzen dürfen nur Blut von Spendern mit derselben Blutgruppe erhalten, da es ansonsten zu tödlichen Transfusionsreaktionen kommen kann.

Katzen mit der Blutgruppe AB sind selten und produzieren keine Alloantikörper. Trotzdem sollten Empfängerkatzen mit der Blutgruppe AB auch mit Blutprodukten derselben Blutgruppe transfundiert werden. Sind diese jedoch nicht verfügbar, kann auch Blut der Blutgruppe A verwendet werden.

Neue Blutgruppe Mik

Bei Katzen wurde zudem eine neue Blutgruppe außerhalb des AB-Systems entdeckt: das Mik-Antigen, das viele Katzen auf ihren Erythrozyten tragen. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang vorallem, dass Mik-negative Katzen natürlich vorkommende Anti-Mik-Alloantikörper besitzen, was zu einer Transfusions-Inkompatibilität ohne vorangegangene Transfusion führen kann. Nur ein Kreuztest, und nicht der AB-Blutgruppentest, kann diese Inkompatibilität identifizieren.

Blutgruppenbestimmung

Das Prinzip der Blutgruppentests ist eine nach einigen Sekunden bis Minuten auftretende sichtbare Hämagglutinationsreaktion, aufgrund der Reaktion der Erythrozyten-Antigene mit den bekannten Antikörpern im Testkit.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die caninen Blutgruppen via Testkarten, Gel- oder Tube-Tests zu bestimmen.

Zur Bestimmung der felinen Blutgruppe existieren ebenfalls verschiedene Möglichkeiten: ein Tube-Agglutinationstest, Testkarten, Gel-basierte Tests und Tests mittels Immunochromatografie.

Der Kreuztest

Der Kreuztest bestimmt die serologische Kompatibilität zwischen dem Empfänger sowie dem potenziellen Spender. Er muss bei Katzen immer dann, wenn kein Blutgruppentest verfügbar ist sowie bei Hunden oder Katzen, die bereits mehr als 4 Tage zuvor eine Transfusion erhalten haben durchgeführt werden. Der Test zeigt das Vorhandensein beziehungsweise Nichtvorhandensein von Alloantikörpern.

Man unterscheidet den sogenannter Major- und Minortest.

Majortest

Empfängerplasma + Spendererythrozyten

Minortest

Empfängererythrozyten + Spenderplasma

Beim Vorliegen einer Autoagglutination, also einer Agglutination der Erythrozyten durch körpereigene Antikörper im Serum des Patienten) ist der Test nicht interpretierbar und somit nicht sinnvoll. Vollständige Kompatibilitätstests im Labor nehmen eine gewisse Zeit in Anspruch; in Notfallsituationen kann ein vereinfachter Test durchgeführt werden.

Bei dieser sogenannten Objektträger-Methode werden je 0,5 ml Blut des Spenders und Empfängers in einem EDTA-Röhrchen entnommen und zentrifugiert. Auf drei Objektträgern werden dann je im Verhältnis 3:1 Plasma und Erythrozyten gemischt. Die Zuordnung entspricht auf dem 1. Objektträger der des Majortests, bei dem 2. der des Minortests. Auf dem 3. Objektträger werden Plasma und Erythrozyten des Spendertieres miteinander vermischt, um auf Autoagglutination zu testen.

Zur Untersuchung der Hämolyse verwendet man im Notfall die sogenannte Röhrchenmethode.

CAVE: Auch bei günstiger Kreuzprobe können Komplikationen auftreten!

Voraussetzungen für Spendertiere

Um weder die Gesundheit der Spendertiere noch die der Empfängertiere zu gefährden, müssen Spender bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Hund
  • Gesund
  • zwischen 2 und 8 Jahren
  • > 20 kg (besser 25 kg)
  • ruhig/kooperativ
  • komplette und regelmäßige Impfungen und Entwurmungen
  • keine vorherigen Transfusionen
  • unauffällige klinische Untersuchung
Katze
  • gesund
  • zwischen 2 und 10 Jahren
  • idealerweise reine Wohnungskatze
  • > 4 kg
  • komplette und regelmäßige Impfungen und Entwurmungen
  • unauffällige klinische Untersuchung

Notwendige Untersuchungen

Sowohl beim Hund als auch bei der Katze sollte das Blut vor einer Transfusion auf bestimmte Erreger und im Hinblick auf bestimmte Parameter untersucht werden.

Relevante Erreger beim Hund
  • Babesia spp. (AK-Titer)
  • Ehrlichia spp. (AK-Titer)
  • Anaplasma spp. (PCR)
  • Dirofilaria spp. (Antigen-Nachweis)
  • Leishmania spp. (AK-Titer)
  • Mycoplasma hemocanis (PCR)

Als Minimum sollte vor einer Transfusion außerdem eine Hämatologie und Blutchemie erfolgen.

Relevante Erreger bei der Katze
  • FeLV/FIV (SNAP)
  • FeLV (Provirus-PCR, bei Katzen aus dem gleichen Haushalt nicht notwendig)
  • hämotrope Mykoplasmen (PCR)

Hier sollte vor der Transfusion mindestens die Bestimmung folgender Parameter im Blut erfolgen: Hämatokrit, Totalprotein, Albumin, Elektrolyte, Kreatinin.

Entnahme des Blutes

Die Blutentnahme beim Hund kann 3- bis 4-mal jährlich im wachen Zustand erfolgen. Es sollten nicht mehr als 10–15 ml/kg pro Spende entnommen werden.

Katzen müssen für die Spende in der Regel sediert werden. Hier können anschließend 2-mal jährlich 7–10 ml/kg Blut entnommen werden.

Die Entnahme des Blutes findet bei Hund und Katze aus der V. jugularis statt.

Transfusion auf das Empfängertier

Das entnommene Blut kann mittels physiologischer isotonischer Infusionslösung nach der Spende intravenös, subkutan (bei Katzen), intraossär sowie intraperitoneal (bei Neonaten) verabreicht werden.

Erythrozytenkonzentrate sollten vor Verabreichung nicht erwärmt werden, auch wenn sie aus dem Kühlschrank kommen. Dies kann die Zerstörung der Erythrozyten beschleunigen und erlaubt ein schnelles Wachstum von Mikroorganismen. In Situationen, die eine schnelle, massive Transfusion benötigen, ist das Erwärmen jedoch indiziert, um mit Hypothermie assoziierte Komplikationen zu vermeiden. Hierfür kann ein Temperatur-kontrolliertes Wasserbad bei weniger als 39 °C verwendet werden. Eine andere Möglichkeit ist das Erwärmen des Infusionsschlauchs kurz vor Erreichen des Patienten mit dafür vorgesehenen Infusionswärmern.

Andere Medikamente oder Infusionen abgesehen von physiologischer Kochsalzlösung  können zur Lyse der Erythrozyten oder zur Koagulation führen.

Ablauf der Transfusion

Die Transfusion sollte innerhalb von 4 Stunden beendet werden, um einen Funktionsverlust des Blutes oder bakterielles Wachstum zu vermeiden. Bei akuten Blutungen sollte die Erythrozyten-Transfusion so schnell wie möglich verabreicht werden. Die Vitalparameter des Empfängertieres sollten zunächst im 15- Minuten-Takt kontrolliert werden, um Transfusionsreaktionen rechtzeitig zu bemerken. Im Verlauf der Transfusion könne die Abstände auf 30-60 Minuten erhöht werden. Besonders zu Beginn der Bluttransfusion sollte das Tier unbedingt unter permanenter Überwachung stehen.

Bei Hunden und Katzen mit Herzerkrankungen sind langsamere Infusionsraten indiziert.

Notfallsituationen

Im absoluten Notfall kann einer Katze ein Blutprodukt von einem Hund transfundiert werden (sog. Xenotransfusion). Katzen besitzen keine natürlichen Antikörper gegen canine Erythrozyten und sprechen in der Regel kurzfristig gut auf die Transfusion an. Die Lebensspanne der transfundierten caninen Erythrozyten beträgt weniger als 4 Tage. Antikörper werden innerhalb von 4–7 Tagen nach der ersten Transfusion gebildet. Jegliche weitere Transfusion mit Hundeblut (sowohl des ersten Spenders als auch eines anderen Hundes) kann nach 4–6 Tagen zu einer Anaphylaxie und zum Tod führen.

Ebenfalls können Katzen der Blutgruppe AB im Notfall auch mit felinem A-Blut transfundiert werden.
 

Mögliche Transfusionsreaktionen

 

Die schwerste Transfusionsreaktion ist eine akute Hämolyse aufgrund von Antikörpern des Empfängers gegen die Erythrozyten des Spenders.

Die häufigsten Symptome sind:

  • Fieber
  • Erbrechen
  • akute allergische Reaktion vom Typ I mit Pruritus, Urtikaria und Schwellungen im Kopfbereich

Die Transfusion muss gestoppt, der Patient untersucht und eine Infusionstherapie zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks, der Herzfrequenz sowie der Diurese gestartet werden. Je nach Art der Reaktion können Antihistaminika, Kortikosteroide und Adrenalin verabreicht werden.

Handelt es sich um eine milde Transfusionsreaktion, kann die Transfusion bei einer niedrigeren Rate erneut gestartet werden. Der Patient muss engmaschig bezüglich einer Progression der Symptome überwacht werden.

Autotransplantation bei Körperhöhlenergüssen

Die Autotransfusion ist eine Möglichkeit, patienteneigenes Blut zu retransfundieren. Hierdurch können Blutprodukte der klinikeigenen Blutbank eingespart werden. Weitere Vorteile sind die sofortige Verfügbarkeit, die Minimierung der Übertragung infektiöser Erkrankungen sowie die normotherme Transfusion. Das Blut wird mittels Aspiration aus der entsprechenden Körperhöhle gewonnen. Es ist nicht notwendig, ein Antikoagulans zu verwenden, wenn sich das Blut bereits mehr als 1 Stunde in der Körperhöhle befand. Zudem kann eine massive Transfusion eines Blutprodukts, das Natrium-Zitrat als Antikoagulans enthält, zu einer Hypokalzämie führen.

Die Zellen können entweder direkt transfundiert oder mittels „cell saver“ gereinigt werden; aus Zeitgründen ist dies jedoch in einer Notfallsituation meist nicht praktikabel. Die Verabreichung sollte durch einen Mikroaggregat-Filter (40 μm) erfolgen, der Thrombozyten- und Leukozytenaggregate entfernt. Komplikationen kommen bei dieser Art der Transfusion zwar seltener vor, sind aber dennoch nicht ausgeschlossen.

Julia Prümmer und Katja-Nicole Adamik sind Tierärztinnen  in der Kleintierklinik der Universität Bern.

Der Originalartikel erschien in der Team konkret 2017.