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Journal ClubHypo- und Hyperkalzämie bei der Katze – iCa einfach berechnen?

Quelle: K. Oborny/Thieme

Ionisiertes Kalzium sollte bei der Katze immer dann kontrolliert werden, wenn Kalziumoxalate, bestimmte Tumorerkrankungen, Nierenfunktionsstörungen bzw. eine fragliche Hyperkalzämie vorliegen. Eine neue Studie zeigt, dass sowohl zu diagnostischen Zwecken als auch zur Verlaufskontrolle weiterhin stets eine Messung des frei verfügbaren Kalziums erfolgen sollte. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse für Sie zusammengefasst!

 

Eine häufige Fragestellung in der internistischen Aufarbeitung von Hunde- und Katzenpatienten ist die Verifizierung einer Hypo- oder Hyperkalzämie durch Messung des frei verfügbaren Kalziums (ionisiertes Kalzium, iCa).

Ionisiertes Kalzium sollte bei der Katze immer dann kontrolliert werden, wenn Kalziumoxalate, bestimmte Tumorerkrankungen (Lymphom, Karzinom, multiples Myelom), Nierenfunktionsstörungen bzw. grundsätzlich eine fragliche Hyperkalzämie vorliegen. Auch Intoxikationen oder ein primärer Hyperparathyroidismus können ursächlich sein.
 

Feline Hyperkalzämie - häufigste Symptome

  • Apathie, Depression
  • Anorexie
  • Erbrechen
  • verändertes Harnabsatzverhalten
  • abdominaler Schmerz
  • Polydipsie (Polyurie)
  • Koprostase
  • Ataxie, Zucken


Eine korrekte Messung des ionisierten Kalziums ist nur mit speziellen Inhouse-Analysegeräten oder mit aufwendiger Probenvorbereitung im externen Labor möglich. Auch müssen die Blutentnahme und die weitere Bearbeitung möglichst unter Luftabschluss erfolgen. Gründe, weshalb dieser analytische Schritt häufig gescheut wird.

 

Neue Studie: iCa schätzen statt aufwändig messen

Eine Forschungsgruppe hat nun eine mögliche Alternative unter die Lupe genommen. Frühere Studien zur Schätzung des ionisierten Kalziums anhand des Gesamt-Kalziums unter Zuhilfenahme von Korrekturformeln aus der Humanmedizin zeigten sich als nicht zuverlässig (Korrektur auf Basis von Serum-Albumin und Totalprotein). Daher analysierten die Autoren nun eine Vielzahl an zusätzlichen Faktoren in der Hoffnung, ein Modell zur Schätzung des ionisierten Kalziums bei der Katze zu erstellen. Die Faktorenliste umfasste zunächst sämtliche Parameter einer Standard-Serumbiochemie einschließlich Gesamt-Thyroxin sowie zusätzlich eine Vielzahl klinischer Parameter wie Alter, Rasse, Geschlecht, Gewicht sowie Body Condition Score (BCS).

In einer vorangegangenen Studie wurde bereits ein vergleichbares Modell zur Schätzung des ionisierten Kalziums beim Hund erstellt. Diese Untersuchung diente als Grundlage und ermöglicht den Vergleich der Einflussfaktoren bei Hund und Katze. Das zunächst für Hunde entwickelte Modell enthielt als Vorhersagevariablen Kreatinin, Albumin, Gesamt-Kalzium, Kalium, Chlorid, Phosphat, Natrium, alkalische Phosphatase, Triglyzeride sowie das Alter.

Im Vergleich hierzu zeigte die aktuelle Studie für die Schätzung von ionisiertem Kalzium bei der Katze folgende Einflussfaktoren: Kreatinin, Albumin, Gesamt-Kalzium, Kalium, Chlorid, Cholesterol, BUN, γ-GT, BCS sowie Alter. Dieses Modell wurde anschließend in einer weiteren Katzengruppe gegen den gemessenen Wert verglichen. Insgesamt wurden 1701 Katzen in diese Untersuchung einbezogen.

Sowohl für die Detektion von Hyper- als auch Hypokalzämie weist dieses Schätzmodell zwar eine hohe Spezifität auf, jedoch nur eine mit der Messung von Gesamt-Kalzium vergleichbare Sensitivität.

Daher lautet das Fazit: Sowohl zu diagnostischen Zwecken als auch zur Verlaufskontrolle sollte stets eine Messung erfolgen.

 

Originalstudie:

J Vet Intern Med 2019 doi:10.1111/jvim.15622

Ergänzende Literatur:

J Vet Intern Med 2017 doi:10.1111/jvim.14800

Dr. Yvonne Lambach ist praktische Tierärztin mit Interessenschwerpunkt Katzenmedizin. 
Katzentieraerztin.de

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