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Journal ClubKatzenernährung - Hoher Fleischanteil nicht immer sinnvoll

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Viele Tierbesitzer sind unsicher bei der bedarfs- und artgerechten Fütterung von Hunden und Katzen. Aufgrund der rein karnivoren Lebensweise der Katzen werden immer mehr sehr eiweißreiche Futtermittel, z. B. mit dem Label „besonders hoher Fleischanteil“, angeboten.

In einer Studie der LMU München von 2017 konnte gezeigt werden, dass erhöhte Phosphorverfügbarkeit zu einer erhöhten gastrointestinalen Aufnahme und renalen Ausscheidung führt, was die glomeruläre Filtrationsrate herabsetzen kann. Klinisch führte dies bei den adulten Katzen zu einer Glukosurie und Mikroalbuminämie. Insbesondere in Kombination mit einem niedrigen Ca : P-Verhältnis in der Nahrung wiesen mehrere andere Studien eine erhöhte Phosphoraufnahme nach. Für eine Tierart mit sehr hoher Prävalenz von chronischer Niereninsuffizienz sollte die Phosphoraufnahme daher auch bei gesunden Tieren unbedingt berücksichtigt werden.

Wie sieht es also de facto bei konventionellen Futtermitteln für die Zielgruppe der erwachsenen gesunden Katzen aus? Das untersuchte nun eine Gruppe der Universitäten Davis, California und Fort Collins, Colorado/USA, anhand von 82 verschiedenen kommerziellen Alleinfuttermitteln für erwachsene Katzen und Katzen aller Altersgruppen in großem Umfang. Ziel der Untersuchung war es, Futtermittel unterschiedlicher Formen (Feuchtfutter, Trockenfutter, Rohfutter), Primär-Protein-Quellen (zahlreiche, auch seltener eingesetzte), Eiweißgehalt (niedrig, mittel, hoch) und Preisniveaus auf ihren Gehalt an Phosphor, Kalzium und Magnesium hin zu untersuchen.

Die Autoren fanden eine sehr große Varianz im Gehalt der untersuchten Mineralien und des Ca : P-Verhältnisses. Zudem gab es einen hohen Anteil an Futtermitteln mit sehr hohem Phosphatgehalt (in Relation zur Mindestempfehlung) sowie ungünstigem Ca : P-Verhältnis. Der Phosphatgehalt zeigte sich unabhängig von der Futtermittelart oder der Proteinquelle. Eine signifikante Korrelation bestand jedoch zwischen dem Eiweißgehalt des Futters und überhöhten Phosphorkonzentrationen. Somit kann hier nicht nur der anorganische Phosphoranteil, der aus unterschiedlichen zugesetzten Phosphorverbindungen zu Konservierungs- oder Ergänzungszwecken stammt, verantwortlich gemacht werden. Phosphat aus beiden Quellen kann zu einer Schädigung der Nierenfunktion führen; so ist der erhöhte Eiweißgehalt potenziell klinisch relevant. Futtermittelanalysen, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten von Stiftung Warentest in Deutschland durchgeführt wurden, zeigten bislang ebenfalls teils sehr hohe Phosphorgehalte von konventionellen Futtermitteln.

Leider sind die Forschungsergebnisse der letzten Jahre bislang nicht in die Empfehlungen zur Futtermittelzusammensetzung eingeflossen, was weiterhin zu großen Schwankungen und möglicherweise schädlichen Phosphatkonzentrationen führt. Weitere Untersuchungen werden nötig sein, um die genauen Zusammenhänge zu klären und klare Grenzwerte zu definieren.

Was die Autoren dieser Studie aber zeigen konnten: Der Griff zu einem Futtermittel mit besonders hohem Eiweißgehalt (das oft vermeintlich als artgerechter beworben und wahrgenommen wird), stellt womöglich keine bessere Wahl mit Blick auf die Phosphorversorgung und langfristige Nierengesundheit dar. Dies darf definitiv kritisch mit in die Beratung und den Rat zu einer Rationsüberprüfung einfließen.

ERNÄHRUNGS-FAQ: KATZEN MIT CHRONISCHER NIERENINSUFFIZIENZ

  • Weniger Protein? Ja, aber hochverdaulich mit hoher biologischer Wertigkeit.
  • Phosphor ist schädlich? Ja, der Gehalt an Phosphor muss reduziert werden.
  • Woher kommt die Energie? Ein Teil der benötigten Energie wird aus einem höheren Fettgehalt gewonnen.
  • Helfen Omega-3-Fettsäuren? Hier gibt es widersprüchliche Ergebnisse (bei Katzen mit urämisch bedingtem Pruritus konnte z.B. ein positiver Effekt gezeigt werden).
  • Warum sind Kohlenhydrate im Nierenfutter? Fermentierbare Fasern oder Kohlenhydrate wirken sich positiv auf Darmpassage, pH-Wert und Reduktion der Aufnahme von Ammoniak und bakteriellem Protein aus.

Originalstudie:

Summers SC, Stockman J, Larsen JA et al. Evaluation of phosphorus, calcium, and magnesium content in commercially available foods formulated for healthy cats. J Vet Intern Med 2019; doi:10.1111/jvim.15689

 

Yvonne Lambach ist praktische Tierärztin mit Interessenschwerpunkt Katzenmedizin. 
Katzentieraerztin.de

Ihr Originalartikel "Für Sie gelesen: Fütterung: Besonders hoher Fleischanteil muss nicht immer gut sein" erschien in der Kleintier konkret.