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TFA im PortraitJamie: eine TFA als Betriebswirtin

Gisela Kolb

Bereits im Kindesalter wusste Jamie Kolb, dass ihre Zukunft daraus bestehen würde, Tieren zu helfen. Im Kindergarten beschützte sie Ameisen vor zerstörungswütigen Kindern, im Schulalter half sie bei Tierschutztätigkeiten und später erklärte sie Menschen im Zirkus, was sie da unterstützen.

So kam es, dass Jamie 2011 ihre Ausbildung zur Tierarzthelferin in Münster bei Dr. Partale begann. Die Ausbildung bereitete ihr sehr viel Freude, sodass sie aufgrund ihrer guten Leistung ein Stipendium erhielt, das von der Tierärztekammer Westfalen-Lippe vergeben wurde. Dieses durfte sie für Fortbildungen, die sie in ihrem erlernten Beruf voranbringen würden, verwenden.

Thailand und weiter …

Der für das Stipendium bewilligte Zeitraum betrug 3 Jahre – genügend Zeit, um noch etwas Abenteuer zu erleben, bevor das Lernen wieder losging. Nach einer kurzen Festanstellung in dem Betrieb, in dem Jamie gelernt hatte, reiste sie für 6 Monate nach Thailand und leistete dort nach einer einmonatigen Rucksack-Tour auf einer Insel namens Koh Tao Freiwilligenarbeit in einer kleinen Tierklinik.

Zurück in Deutschland begann sie, an der Universität Münster in der Abteilung der Verhaltensbiologie als Tierpflegerin zu arbeiten. Parallel dazu empfahl ihr die Stipendien-Beraterin der Tierärztekammer eine berufsbegleitende Aufstiegsfortbildung zur Betriebswirtin im Gesundheitswesen. Diese wird von der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe angeboten, Unterrichtsort ist Münster und sie dauert 2 Jahre – jeden Samstag 10 Schulstunden Unterricht. Nach einigen Prüfungen gibt es dann die Abschlussarbeit mit Präsentation. Ein hartes Stück Arbeit, dachte sich Jamie – da jedoch das Gehalt einer tiermedizinischen Fachangestellten leider sehr zu wünschen übriglässt, war dies eine geeignete Chance, in der Gehaltsklasse aufzusteigen und eine führende Position im Berufsleben einzunehmen.

Ärmel hoch und los!

Nachdem die Entscheidung für das Studium gefallen war, und Frau Kolb von ihrem damaligen Chef für die (Arbeits-)Samstage der nächsten 2 Jahre freigestellt wurde, begann Anfang 2016 ein neuer, anstrengender, aber sehr bereichernder Lebensabschnitt in einem Studium mit 8 Modulen und jeweils einer Abschlussprüfung.

Den endgültigen Abschluss der Aufstiegsfortbildung bildete dann im Sommer 2018 das Vorstellen der Facharbeit, mit der die zuvor erhaltene Abschlussnote durch Ergänzungen verbessert werden konnte. Jamie fand es aufregend, in die Universitätsbibliotheken zu fahren und dort gemeinsam mit anderen Studenten zu sitzen und zu arbeiten. Als die Facharbeit nach einer zweimonatigen Schreibphase ohne Unterricht fertiggestellt war, gab sie sie voller Freude in den Druck. Das Gefühl nach der Abgabe der Facharbeit war eine unglaubliche Erleichterung gepaart mit unendlichem Stolz auf sich selbst.

Und nun?

Das Fazit ist: Es lohnt sich für Tiermedizinische Fachangestellte, diese Aufstiegsfortbildung zu absolvieren, wenn man danach eine Anstellung in einer Tierklinik anstrebt, man flexibel mit dem Wohnort ist oder gerne in den zahn-/oder humanmedizinischen Bereich wechseln möchte und bereit ist, dafür noch einiges zu lernen. Doch weil viele Tierarztpraxen sich (noch) nicht mit Praxis- und Qualitätsmanagement beschäftigen, ist Frau Kolb derzeit noch auf der Suche nach einer passenden Stelle, die ihren Qualifikationen als Betriebswirtin oder Praxismanagerin gerecht wird. Doch sie gibt natürlich nicht auf, bewirbt sich weiter und sieht sich auch in der Human- und Zahnmedizin nach einem Job um. Außerdem hat sie die Erfahrung gemacht, dass sich ganz neue Türen öffnen und man mit diesem Abschluss als Quereinsteiger viele Chancen hat.

 

Der Originalartikel zum Nachlesen:

TFA als Betriebswirtin. tk 2019; 15(01): 23. DOI: 10.1055/a-0816-2326.

Jamie Kolb ist Tierarzthelferin und Betriebswirtin im Gesundheitswesen. Sie ist selbstständig, berät zu veganer Hundeernährung und bietet Haus- und Hundesitting an. Bei Instagram ist Jamie mit ihrem Profil „pflanzenfrass“ zu finden.

Der Originalartikel "TFA als Betriebswirtin" erschien in der Team Konkret.