Georg Thieme Verlag KG
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Landschildkröten leben natürlicherweise als Einzelgänger und sind als poikilotherme Tiere extrem abhängig von den herrschenden Umweltbedingungen. Sie sind tagaktiv und sehr neugierig. Die Haltung im Freigehege ist der Terrarienhaltung vorzuziehen, da Landschildkröten relativ lauffreudig sind.

Parameter

Physiologischer Bereich

maximales Lebensalter

über 80 Jahre

Atmung

passive Inspiration, aktive Exspiration

Geschlechtsreife

nach mehr als 5 Jahren, in Menschenobhut jedoch möglicherweise früher (Eintritt der Geschlechtsreife hängt von der Körpergröße ab und somit von Umgebung sowie Fütterung)

Gelegegröße

3-9 Eier

Anzahl Gelege/Jahr

1-3 Gelege/Jahr

Sehvermögen

gut ausgeprägte Farbwahrnehmung, schmales binokulares Gesichtsfeld

Hörvermögen

nur relativ tiefe Töne im Bereich von 100-700 Hz

Geruchssinn

gut ausgeprägter Geruchssinn mit Chemorezeptoren innerhalb des Nasenepithels

Europäische Landschildkröten jeder Altersklasse führen eine Winterruhe durch, wobei sie ihre Stoffwechselvorgänge deutlich einschränken. Die Dauer der Hibernation ist dabei abhängig von der Schildkrötenart sowie der natürlichen geografischen Verbreitung und dauert 3-5 Monate. Die mediterranen Arten (hierzu zählen auch die Griechische und die Maurische Landschildkröte) überwintern feucht bei 4 – 6 °C. Während der Hibernation darf die Schildkröte keinesfalls geweckt werden. Vor und nach jeder Winterruhe müssen Gewichtskontrollen durchgeführt werden. Der als Heimtier gehaltenen Landschildkröte sollte vor der Hibernation die Möglichkeit geboten werden, eine Wasserquelle aufzusuchen, da diese sich natürlicherweise vor und nach der langen Inaktivitätsphase in Pfützen setzen, um zu trinken. Idealerweise überwintern die Landschildkröten im thermokontrollierten Schutzhaus im Freiland. Sie kommen hervor, sobald das Mikroklima es gebietet. Bei der Überwinterung im Wohnhaus des Halters kann der Rhythmus der Tiere durch z.B. zu warme Nächte oder zu lange Lichtphasen gestört werden. Findet die Hibernation im Keller statt, muss dieser kühl, ruhig und ohne Schadnager sein. Im Kühlschrank können die Landschildkröten austrocknen und potenziell erfrieren, falls ein defektes Gerät unter den Frostpunkt kühlt.

Bei herbivoren Schildkrötenarten stammen mehr als 50% der Energie aus Kohlenhydraten, 15–35% aus Protein und weniger als 10% aus Fett. Der Rohfaseranteil beträgt 15–40% der Trockensubstanz. Bei Landschildkröten müssen jederzeit qualitativ einwandfreies Heu ad libitum und eine Kalziumquelle z. B. in Form von Sepiaschalen oder gekochten Eierschalen zur Verfügung stehen.

Futtermittel

Menge

Wald- und Wiesenkräuter (z.B. Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich), Heu, Blattsalat (z.B. Feldsalat), Gemüse (z.B. Karotten, Zucchini)

täglich