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Von Echokardiografie bis RadiologieDiagnostik feliner Kardiomyopathien

Feline Kardiomyopathien kommen bei Rassekatzen und europäischen Kurzhaarkatzen vor. Im Artikel finden Sie die aktuellen Empfehlungen des American College of Veterinary Internal Medicine zur Diagnostik von Herzmuskelerkrankungen der Katze.

Quelle: K. Oborny/Thieme

Inhalt

Echokardiografie
Kardiale Biomarker
Gentests
Radiologie
EKG
Blutdruck und Schilddrüse

Anamnestische und klinische Anzeichen von Kardiomyopathien sind: angestrengte Atmung, Inappetenz, reduziertes Allgemeinbefinden, Parese/Paralyse der Hintergliedmaßen, systolisches Herzgeräusch, Galopprhythmus oder Arrhythmien.

Indikationen für eine Echokardiografie stellen folgende Befunde dar:

anamnestisch:

  • Synkopen/Anfälle
  • Kardiomyopathie bei verwandten Tieren
  • Schwäche
  • Atemnot/Maulatmung
  • Lungenödem nach Infusionstherapie
  • Rassekatze/im Gentest positive Katze
  • Endokrinopathien/Hyperthyreose

in der klinischen Untersuchung:

  • Herzgeräusch
  • Galopprhythmus
  • gedämpfte Herztöne
  • Arrhythmien
  • Tachy-/Dyspnoe
  • auskultatorisch pulmonäre Crackles
  • Jugularvenenstau/Aszites
  • akute Parese/Paralyse/fehlender Femoralispuls

bei Katzen >9 Jahre bei geplanter

  • Anästhesie
  • Infusionstherapie
  • Glukokortikoidtherapie

Hier besteht die Gefahr der Dekompensation einer subklinischen Kardiomyopathie.

Die Diagnosestellung feliner Kardiomyopathien kann mitunter eine Herausforderung sein. Auch in der spezialisierten Praxis kann die genaue Klassifikation der individuellen Erkrankung schwierig sein, zumal die Phänotypen im Verlauf der Erkrankung wechseln und ineinander übergehen können.

Echokardiografie

Grundsätzlich gilt die Echokardiografie als Diagnostikum der Wahl und Goldstandard und sollte bei jeder Katze mit Herzgeräusch oder Galopprhythmus erfolgen.

Das echokardiografische Bild einer HCM ist gekennzeichnet durch eine Zunahme der linksventrikulären Wandstärken über den Normbereich. Diese kann fokal oder generalisiert bestehen. Je nach Schweregrad der Erkrankung kann das linke Atrium vergrößert sein (Abb.). Bei deutlicher linksatrialer Stauung besteht grundsätzlich die Gefahr einer Thrombenbildung, die unter Umständen als sogenannter Spontankontrast im linken Atrium echokardiografisch darstellbar ist (sog. Smokelines, Abb.).

Dopplerechokardiografisch kann Systolic Anterior Motion (SAM) der Mitralklappe auffallen. Hierbei kommt es durch Lageveränderung der Mitralklappe zu einer linksventrikulären Ausflusstraktstenose und einer Mitralklappeninsuffizienz. Je nach Fragestellung und klinischer Situation werden echokardiografische Spezialmessungen z. B. zur Bestimmung der diastolischen Funktion durchgeführt und ein mehr oder weniger aufwendiges echokardiografisches Protokoll befolgt. 


Prädisponierte Rassekatzen sollten mittels Standard-of-Care-Echokardiografie auf das Vorhandensein einer Kardiomyopathie gescreent werden. Dies beinhaltet die Messung der linksventrikulären Dimensionen und Funktion sowie der linksatrialen Größe. Subjektiv sollte u. a. auf Papillarmuskelhypertrophie, endsystolische Kammerobliteration, Klappen- und Papillarmuskelabnormalitäten/ SAM, Spontankontrast/linkatrialen Thrombus u. a. geachtet werden.
 

STANDARD-OF-CARE-ECHOKARDIOGRAFIE

Messung der

  • linksventrikulären Dimensionen und Funktion
  • linksatrialen Größe

Subjektive Beurteilung u. a. von

  • Papillarmuskelhypertrophie
  • endsystolischer Kammerobliteration
  • Klappen- und Papillarmuskelabnormalitäten/ SAM
  • Spontankontrast/linksatrialem Thrombus


Ebenso sollte bei Katzen verfahren werden, die unter Verdacht stehen, eine subklinische Kardiomyopathie zu haben oder die eine Infusionstherapie/Therapie mit Kortikosteroiden/Anästhesie bekommen sollen und älter als 9 Jahre sind.

Ist diese Standard-of-Care-Echokardiografie nicht verfügbar, kann auch eine fokussierte Point-of-Care-Echokardiografie ausreichend sein. Hierbei sollte subjektiv auf Pleural- und Perikarderguss, geachtet, die linksatriale Größe und Bewegung beurteilt, nach pulmonären B-Lines gesucht und die linksventrikuläre Funktion evaluiert werden.

 

POINT-OF-CARE-ECHOKARDIOGRAFIE

Subjektive Beurteilung u. a. von

  • Pleural- und Perikarderguss
  • linksatrialer Größe und Bewegung
  • pulmonären B-Lines
  • linksventrikulärer Funktion


Für klinisch instabile Katzen im kongestiven Herzversagen kann diese fokussierte Echokardiografie ebenfalls ausreichend sein. Nach Stabilisierung kann dann eine Standard-of-Care-Echokardiografie oder eine Untersuchung durch einen Spezialisten mit zusätzlichen echokardiografischen Parametern (Untersuchung der diastolischen Funktion mittels verschiedener Dopplerverfahren: Best-Practice-Echokardiografie) erfolgen.
 

Kardiale Biomarker

Steht eine Echokardiografie nicht zur Verfügung oder sind Tierhalter finanziell eingeschränkt, kann als Screeningparameter bei asymptomatischen Katzen NTpro-BNP (kardialer Biomarker) untersucht werden.

Bei erhöhtem NTpro-BNP-Level > 100 pmol/l (Graubereich 50–100 pmol/l) [2] sollte der Patient jedoch unbedingt weiter echokardiografisch abgeklärt werden, um eine genaue Diagnose und Prognose stellen zu können, falsch positive Ergebnisse auszuschließen und eine ggf. notwendige Therapie initiieren zu können. Eine weitere Indikation für die Messung von NTpro-BNP besteht beim dyspnoeischen Patienten zur Unterscheidung kardialer vs. nicht kardialer Ursachen der Atemnot, insbesondere bei nicht eindeutiger röntgenologischer Lungenzeichnung oder Thoraxerguss unklarer Genese.
 

Gentests

Gentests existieren für verschiedene Genmutationen bei Maine Coon und Ragdoll und deren nicht reinrassige Nachkommen [2]. Nur für diese ist die Durchführung eines rassespezifischen Gentests sinnvoll.

Der Gentest wird zusätzlich zur Echokardiografie für Zuchtkatzen empfohlen. Katzen, die im Gentest homozygot auf HCM getestet werden, sollten aus der Zucht ausgeschlossen werden. Im Gentest heterozygote Katzen, die für die Zucht wertvoll erscheinen, können mit negativen Katzen verpaart werden. Weder ein negativer noch ein positiver Gentest ersetzt die Echokardiografie, da sowohl im Gentest positiv getestete Katzen ohne Echobefund vorkommen als auch negativ getestete Katzen an HCM erkranken können.
 

Radiologie

Ein Thoraxröntgen kann im kongestiven Herzversagen das Vorhandensein eines Lungenödems und/oder Thoraxergusses zeigen. Das Röntgen ist wenig sensitiv als Screeningmethode bei asymptomatischen Patienten und die jeweiligen Kardiomyopathien lassen sich röntgenologisch nicht unterscheiden. Damit liegt die Indikation für das kardiale Röntgen bei der Katze vor allem bei der Dokumentation von kongestivem Herzversagen.
 

EKG

Der Elektrokardiografie (EKG) kommt zur Abklärung von Rhythmusstörungen Bedeutung zu. Sie sollte bei Patienten erfolgen, die in der klinischen Untersuchung Auffälligkeiten in Herzrhythmus oder -frequenz zeigen oder klinische Symptome von Herzrhythmusstörungen haben (Schwäche, Synkopen).
 

Blutdruck und Schilddrüse

Der Blutdruck und bei älteren Katzen (≥ 6 Jahre) auch das Schilddrüsenhormonlevel (T4) sollten gemessen werden, wenn eine linksventrikuläre konzentrische Hypertrophie auffällig ist. Sowohl eine systemische Hypertension als auch eine Hyperthyreose können ursächlich dafür sein, sodass die Messung beider Parameter bei der HCM-Aufarbeitung essenziell ist.

 

Literatur

[1] Fuentes L, Abbot J, Chetboul V et al. ACVIM consensus statement guidelines for the classification, diagnosis, and management of cardiomyopathies in cats. J Vet Intern Med 2020; 34: 1062–1077
[2] Killich M, Hrsg. Kleintierkardiologie. Diagnose und Therapie von Herzerkrankungen bei Hund, Katze und Heimtieren. 1. Aufl. Stuttgart: Georg Thieme; 2019
[3] King JN, Martin M, Chetboul V et al. Evaluation of Benazepril in cats with heart disease in a prospective, randomized, blinded, placebo- controlled clinidal trial. J Vet Intern Med 2019; 33: 2559–2571
[4] Mac Donald KA, Kittleson MD, Kass PH et al. Effect of spironolactone on diastolic function and left ventricular mass in Maine Coon cats with familial hypertrophic cardiomyopathy. J Vet Intern Med 2008; 22: 335–341