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PferdKolik beim Pferd – Von Prophylaxe bis Diagnostik!

Die Kolik stellt gerade für Pferde mit ihrem empfindlichen und komplizierten Verdauungssystem eine absolute Notfallsituation dar, die nicht selten mit dem Tod endet. Es ist deshalb wichtig, dass eine Kolik frühzeitig erkannt und tierärztlich versorgt wird.

Inhalt
Liegende Stute
Nadine Haase/stock.adobe.com

Da Koliken einen Notfall darstellen, ist eine frühzeitige Erkennung der Symptome und tierärztliche Behandlung wichtig.

Kolik - Krankheit oder Symptomatik?

Kolik ist keine spezifische Krankheit, sondern ein Symptom-Komplex und heißt nichts anderes als „Bauchweh”. Kolik kann z.B. bei Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane, Geburten, verschiedenen Infektionskrankheiten (z.B. Wundstarrkrampf), Leber- und Gallengangserkrankungen, sowie bei Wasser- und Futtermangel auftreten.

Je nach Intensität der Schmerzen und individueller Empfindsamkeit beobachtet man die „klassischen” Symptome wie Flehmen, motorische Unruhe, Beine gegen den Bauch schlagen, Scharren mit den Vordergliedmaßen, wiederholtes Umsehen zum Bauch und häufiges Niederlegen und Aufstehen. In schweren Fällen sieht man das vorübergehende bis hin zum rücksichtslosen Wälzen, periodische Beruhigung oder ein zeitweises Verharren in ungewöhnliche Stellungen wie der Rückenlage oder Hundesitz.

Symptome einer Kolik treten am häufigsten bei Magen-, Dünn- und Dickdarmerkrankungen auf, die i.d.R. auf eine mangelhafte Fortbewegung des Darminhaltes beruhen. Die Gründe hierfür sind sehr vielseitig und können – außer bei deutlichen Verstopfungen (Obstipation) im Dickdarm – meist bei der Untersuchung nicht ausfindig gemacht werden.

Wichtige Auslöser kennen!

Bestimmte Besonderheiten des Gastrointestinaltraktes beim Pferd sind entweder Auslöser oder tragen wesentlich zur Entstehung einer Kolik bei:

Der Magen

Ein stark ausgeprägter Kardialmuskel (Mageneingang) und die spitzwinkelige Einmündung der Speiseröhre in den Magen machen eine spontane Druckentlastung bei einer Magenüberladung schwer möglich. Zusätzlich schließt das lange Velum palatinum (Gaumensegel) die Maulhöhle ab und leitet Erbrochenes in die Nase, wo es leicht in die Lunge aspiriert werden kann. Das bedeutet, dass das Pferd bei einer Magenüberladung nur darmwärts abtransportieren kann, was häufig nicht in ausreichendem Umfang geschieht und somit eine Magenkolik auslöst.

Der Dünndarm

Der 19–20 m lange Dünndarm ist an einem besonders langen Gekröse aufgehängt und ermöglicht eine so abnorme Beweglichkeit, dass Verdrehungen entstehen oder der Darm sich einklemmen kann.

Der Dickdarm

Das völlig frei bewegliche und 3-4 m lange große Colon (Dickdarmanteil) kann sich mit seiner doppelhufeisen Form in alle Richtungen drehen und wenden und sich so z.B. auf dem Milznierenband aufhängen.

Zusätzlich zu den oben aufgeführten anatomischen Besonderheiten werden Verstopfungen des Darmes durch Übergänge von weiten zu engen Darmabschnitten, durch Parasitenbefall und durch die erhöhte Empfindlichkeit des vegetativen Nervensystems (reguliert die Verdauung) auf Witterungseinflüsse gefördert.

Symptome frühzeitig erkennen!

In der Praxis ist es oft nicht möglich, die Ursache einer Kolik genau zu untersuchen. Der Praktiker hat die Aufgabe, rasch zu entscheiden, ob das Pferd an eine Klinik zur weiteren Diagnostik und konservativen Therapie oder gar zur chirurgischen Intervention überwiesen werden muss. Jeder der nachfolgenden Punkte allein oder das Zutreffen mehrerer Punkte rechtfertigen eine sofortige Überweisung:

  • Heftige und lange Kolik oder fortschreitend zunehmende Symptomatik
  • Schlechte Kreislaufsituation und beginnende Schocksymptome wie erhöhte Puls- und Atemfrequenz, verlängerte kapilläre Füllungszeit (>3 Sekunden), kühle Oberflächentemperatur, schlecht staubare Jugularvenen, verändertes Bauchhöhlenpunktat (trüb, rötlich, >25 g/l Eiweißgehalt), Hämatokrit >50%
  • Bei einer Nasenschlundsondierung mit >2 Litern abhebbarem Inhalt (und/oder anhaltender Koliksymptomatik trotz Entleerung des Magens)
  • Bei eindeutigen rektalen Untersuchungsbefunden und eingeschränkten Therapiemöglichkeiten wie Infusionstherapie oder therapeutische Laparotomie
  • Nach diagnostisch-therapeutischer Medikation (schmerz- und krampflösende Medikamente) ohne sichtbare Besserung oder baldiges Wiedereinsetzen der Kolik
  • Wenn keine vollständige Untersuchung vor Ort möglich ist, so z.B. bei stark widersetzlichen Pferden, Ponys, Fohlen oder bei fehlender Hilfe

Die richtige Diagnostik für eine erfolgreiche Behandlung!

Anamnese

Bei der Anamnese ist es wichtig, dass jeder, der mit dem Tierbesitzer oder überweisenden Arzt spricht, sich an folgendes Frageprotokoll hält:

  • Wann war der Beginn und wie lange ist die Dauer der Kolik?
  • Wann war die letzte Futter- u. Wasseraufnahme des Patienten?
  • Sind Veränderungen im Futterplan vorgenommen worden?
  • Welche Vorerkrankungen und Operationen hatte das Tier? Bauchhöhlenoperationen z.B. wegen Kryptorchismus oder Kolik können durch Narbenbildung und Verwachsung Strangulationen und Darmverlagerungen verursachen. Bei Stuten können durch Schwergeburten ebenfalls Darmquetschungen, Verwachsungen und Verlagerungen entstehen.
  • Wann ist die letzte Entwurmung mit welchem Präparat durchgeführt worden?

Klinische Untersuchung

Die klinische Untersuchung konzentriert sich besonders auf Allgemeinverhalten- und zustand, den Kreislauf (Pulsfrequenz, Atemfrequenz), die Körpertemperatur und das Abdomen. Aufgetriebene Flanken, starkes Schwitzen sowie Hautverletzungen am Kopf und im Bereich der Hüfthöcker (durch Festliegen) weisen auf heftige Kolikanfälle hin.

Das Herz-Kreislaufsystem (als Indikator für den Schweregrad der Kolik und eines drohenden Kreislaufschocks) ist bei folgenden Befunden bereits massiv beeinträchtigt: Alle Herz-/Pulswerte über 48/min sind verdächtig und ab 60/min absolut beunruhigend. Die Schleimhäute sind blass, ziegelrot, bläulich, verwaschen und reagieren mit einer verlängerten >3 sec (oder verkürzten >1 sec) kapillären Füllungszeit, die Hautelastizität (Turgor) ist vermindert. Die Körpertemperatur (rektal) ist meist normal bis leicht erhöht (37,7–38,5°C), bei einem ausgeprägten Schock kann die Temperatur unter die Norm sinken. Die Atemfrequenz ist meist erhöht >20/min.

Die Darmauskultation (Abhören) erfolgt auf der linken und rechten Bauchseite. Sie wird hinter den Rippenbögen im oberen (dorsal) und unteren (ventral) Quadranten vorgenommen. Beurteilt werden hierbei die Darmgeräusche auf ihre Qualität und Quantität. Der Blinddarm befindet sich auf der rechten Seite, dessen Einspritzgeräusch auch ein wichtiger Indikator ist. Es entsteht, wenn sich der Inhalt vom Hüftdarm periodisch in den Blinddarm entleert. Das erfolgt bei einem gesunden Pferd ca. 2–3 Mal in der Minute, abhängig von Fütterung und Tränkung. Ist aber der Blinddarm (Zäkum) mit Gas gefüllt, erzeugt dieser metallische Geräusche. Bei gleichzeitiger Füllung mit Gas und Flüssigkeit überwiegen plätschernde und glucksende Geräusche. Bei einer spastischen Kolik (Krampfkolik) sind auskultatorisch beidseitige, laute und frequente Darmgeräusche zu hören. Das vollständige Fehlen von Darmgeräuschen bei einem gespannten Abdomen weist auf einen Ileus (Darmverschluss bei einem mechanischen Problem oder funktionell bei einer Darmlähmung) hin.

Bei Hengsten ist die Untersuchung beider Hodensackhälften sowie der Leistengegend schon bei der Erstuntersuchung zwingend, denn bei einem Leistenbruch können Anteile des Großen Netzes und Dünndarmschlingen durch den Leistenspalt in den Hodensack vorfallen und abgeschnürt werden. Der Hodensack ist stark vergrößert, kühl und hart und die Patienten zeigen hierbei heftige Kolikerscheinungen und Berührungsschmerz im Bereich der Hoden.

Spezielle Untersuchungsmethoden

Magensondierung

Neben ihrem großen diagnostischen Wert hat die Magensondierung auch den Zweck, bei vielen Kolikformen eine drohende Magenüberladung vorzubeugen. Für die Magensondierung muss eine Sonde der passenden Größe (Pferd Ø 16 und 19 mm, Pony Ø 13 mm, Fohlen Ø 9 mm) benutzt werden, denn der Einsatz einer zu großen oder rauen Sonde kann beim Einführen die Schleimhäute verletzen. An den Sonden sollten zwei Markierungen vorhanden sein, um erkennen zu können, wann der Behandelnde den Schlund und wann den Magen erreicht hat.

Nach Erreichen des Magens wird das ausströmende Gas beurteilt, der Magen entleert und der Inhalt beurteilt. Der normale pH-Wert der Magenflüssigkeit beim Pferd liegt im sauren Bereich (<5) und hat eine grünlich-gelbliche Farbe von Gras, Heu und Hafer. Der Geruch ist aromatisch-säuerlich.

Ein gesundes Pferd hat zumeist keine oder nur eine geringe Menge an Magenflüssigkeit. Wenn spontan Flüssigkeitsmengen über 2–3 Liter abgehebert werden können, ist dies nicht normal (außer der Patient hat gerade getrunken). Bei einer Magenüberladung werden vorwiegend feste Futterbestandteile aus dem Magen abgehebert und der Magen muss so lange gespült werden, bis nur noch Flüssigkeit über die Sonde zurückkommt. Dabei lässt man vorsichtig ca. 2 Liter warmes Wasser in den Magen fließen, um kurze Zeit später die Flüssigkeit mit angereichertem Mageninhalt wieder abfließen zu lassen. Aus der Farbe des Mageninhaltes können folgende Rückschlüsse gezogen werden:

  • Bei Reflux (Rückfluss) aus dem Dünndarm in den Magen ist die Farbe des Mageninhaltes durch Dünndarmflüssigkeit und Gallenfarbstoff gelbbraun. Reflux entsteht als Folge fehlender oder verminderter Darmmotorik bei Einengungen oder Paralyse (Lähmung) nachfolgender Darmabschnitte
  • Ist die Farbe braun-rötlich kann dies ein Hinweis sein, dass es sich um eine proximale Gastroduodenojejunitis (Entzündung des Zwölffinger- und Leerdarms) handeln könnte.
  • Eine rötlich-blutige Beimengung könnte für eine Magenentzündung (Gastritis), Ulzera (Magengeschwüre) oder starker Blähungen sprechen

Beim Verdacht einer Verstopfung im Blinddarm und Kolon und erst nach Sicherstellung der Durchgängigkeit des Darmes werden dem Magen Flüssigkeit und Laxantien (Abführmittel) zugeführt, die den Darminhalt aufweichen und gleitfähiger machen sollen (z.B. Bitter- und Glaubersalz, gequetschte Leinsamen, Paraffinöl).

Bei Reflux und starker Gasbildung bleibt die Sonde im Magen liegen und es erfolgt eine Fixation am Halfter, um eine laufende Druckentlastung des Magens zu gewährleisten.

Am Therapieende wird die Nasenschlundsonde desinfiziert und danach mit Hilfe einer Schlundsondenbürste, die an einem langen Stab (3.30 m/2.50 m für die kleineren Sonden) befestigt ist, gründlich gereinigt. Anschließend wird sie in einem Formaldehydgasprogramm bei 70°C sterilisiert.

Rektale Untersuchung

Da das Abdomenröntgen beim Pferd durch Menge des Darmvolumens selten beurteilbar ist, ist die rektale Untersuchung mit der manuellen Abtastung der erreichbaren Darmabschnitte eine der wichtigsten Untersuchungen beim Kolikpatienten. Da diese Untersuchung jedoch nicht ohne Risiko für Tier und Tierarzt ist, sollte der Patient in einem Zwangsstand gesichert und beim Einführen sowie bei der Untersuchung keine Gewalt angewandt werden.

Nach der Entfernung der Kotballen aus dem Mastdarm lassen sich normalerweise folgende Strukturen bzw. Organe tasten: das kleine Kolon, der hintere Teil des Milzrandes, ein Teil der linken Niere, die Aorta und ihre Abgänge. Das Milz-Nierenband kann nur ertastet werden, wenn der obere Teil der Milz und die linke Niere nicht zu eng aufeinander liegen. Der letzte Teil des Kolons – das Colon descendens – ist meistens durch die geformten Pferdeballen identifizierbar. Bei Hengsten werden zusätzlich die Leistenringe untersucht. Bei der Palpation (Tastung) werden die pathologisch veränderten Darmabschnitte nach Lage (im Verhältnis zu anderen Bauchorganen), Größe (z.B. armstarke Dünndarmschlingen) und Inhalt (Gas, Flüssigkeit) beurteilt.

Bauchhöhlenpunktion

Wenn bei den vorangegangenen Untersuchungen noch keine sichere Diagnose gestellt wurde, kann eine Punktion der Bauchhöhle wertvolle Hinweise auf das Krankheitsgeschehen liefern. Die Entnahme erfolgt mittels einer Kanüle nach Schur und aseptischer Vorbereitung der Entnahmestelle. Als gute Entnahmestelle hat sich ein Punkt in der Mitte zwischen Brustbein (Sternum) und dem Nabel in der medianen, am tiefsten Punkt des Bauches bewährt.

Das gewonnene Punktat wird in einem EDTA-Blutröhrchen aufgefangen und makroskopisch nach Farbe und Transparenz beurteilt. Zusätzlich können die Bestimmung von Zellzahl, Protein und die Laktatkonzentration wertvolle Hinweise zu Art der Kolik, Therapie und Prognose liefern. Beim gesunden Pferd hat das Punktat eine strohgelbe, klare Farbe, und einen Eiweißgehalt von <25 g/l. Die Zellzahl liegt bei < 5 Giga/l. Die Bauchhöhlenpunktion liefert Hinweise auf pathologische Vorgänge in der Bauchhöhle. Bei dem Verdacht eines hämorrhagisch infarzierten Darmes (Gewebetod durch Abschnürung der Blutgefäße, z.B. bei einem mechanischen Ileus) ist das Punktat rötlich gefärbt und die Eiweiss- und Lactatwerte (> 2 mmol/l) erhöht. Bei einer reinen Flüssigkeitsansammlung (Aszites) ist es klar, bei einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) ist es getrübt und bei abdominalen Blutungen deutlich blutig. Eventuell können im Punktat nach einer zytologischen Analyse auch tumoröse Geschehen nachgewiesen werden.

Ultraschall

Ultraschalluntersuchungen sind mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der klinischen Diagnostik bei Kolikerkrankungen. Leber, Milz, Niere und Harnblase sowie einige Darmteile (v.a. Dünndarm der Inguinalgegend) können mit evtl. vorhandenen pathologischen Situationen (z.B. Ileus, Invagination=Einstülpungen, etc.) erkannt werden.

Labor

Die Bestimmung des Hämatokrits und des Gesamteiweißgehaltes (TP) sind hierbei am wichtigsten. So zeigt beispielsweise der Anstieg beider Parameter ein Flüssigkeitsdefizit im Gefäßsystem an. Der TP-Wert sollte zwischen 60 und 70 g/l liegen.

Der Normalwert des Hämatokrits liegt zwischen 32 bis 46% (stark rasseabhängig) und hat eine prognostische Bedeutung. Es gilt allgemein: je höher der Hämatokrit, desto größer die Sterbewahrscheinlichkeit, denn der Hämatokrit zeigt den Grad der Austrocknung (Dehydratation) an.

Fazit

Eine Kolik bei einem Pferd ist meistens ein Notfall und kann unbehandelt schnell lebensbedrohlich werden. Ein schnelles und effektives Handeln ist daher unerlässlich, dazu gehört, die Symptome frühzeitigt zu erkennen und diese einer Kolik zu zuordnen, damit die richtige Diagnostik durchgeführt werden kann und eine passende Behandlung eingeleitet werden kann. Aber auch eine gute Prophylaxe und Beobachtung des eigenen Pferdes ist wichtig, um einschätzen zu können, ob es sich um eine Notsituation handelt.

Dies ist eine aktualisierte Version des Originalbeitrags: 

Hofmann, K. "Die Kolik beim Pferd". team.konkret 2010; 6(01): 14 - 17. DOI: 10.1055/s-0030-1249326.